Ursula Dietzsch-Kluth: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 17. Mai 2019, 18:07 Uhr

Selbstporträt (1940) von Ursula Kluth-Dietzsch

Ursula Dietzsch-Kluth (geb. Kluth, auch Ursula Kluth, Ursula Kluth-Dietzsch (* 16. November 1911 in Berlin) ist eine Malerin und Grafikerin


Familie und Ausbildung

Die großbürgerliche Familie Kluth - Eltern, Ursula Kluth und ihre beiden älteren Schwestern Karin[1] und Charlotte.[2] Der Vater war internationaler Repräsentant einer Kölner Firma. Die Familie lebte zunächst in Berlin, standesgemäß in einer Zehnzimmerwohnung. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs musste die Familie den hohen Lebensstandard aufgeben, ein Stiefonkel brachte zudem den mütterlichen Besitz durch. Die Mutter, ein "verwöhntes Millionärstöchterchen", passte sich schnell an.[3] 1921 zogen sie nach Köln und der Vater übernahm die Kölner Import-/Exportfirma des verstorbenen Wilhelm Ispert.[4] Ihre Schulzeit verbrachte Ursula Kluth auf der Kaiserin-Augusta-Schule. Als Protestantin im katholischen Köln nahm sie am Religionsunterricht der 'Israelis' teil. [5] Das ausgehungerte Mädchen profitierte des öfteren von den Quäkerspeisungen.

Bereits die ältere Schwester war Malerin. Dennoch konnte der Direktor der Schule den Vater vom Talent der Tochter überzeugen. Ursula Kluth besuchte ab 1928 die Kölner Werkschulen und studierte Gebrauchsgrafik, erlernte auch Malerei, Kunstgeschichte und Drucktechniken. Ihre Dozenten waren u.a. die Bauhäusler Prof. Hussmann und Prof. Ahlers-Hestermann. Die Ausbildung erkannte sie später als fortschrittlich und modern, so wurde hier die Einheit von Kunst und Handwerk vertreten. Ende 1930 konzipierte sie erstmals ein Bühnenbild für eine Opernaufführung. [6] Einen Schwerpunkt legte sie auf Modezeichnung, sie gewann damit u.a. einen Preis der I.G. Farben. Mit dem Preisgeld fuhr sie das erste Mal nach Paris und beschloss, dort länger zu leben.

Bereits vor 1933 spürte sie in der akademischen Welt der Kölner Südstadt den Einfluss der Nazis.[7] Von 1931 bis 1934 studierte sie an einer Abendakademie in Paris und arbeitete nebenbei im Zeichenatelier der Kunstdruckerei Loubok, eines Weissrussen mit internationalem Personal, sowie als Modezeichnerin. Sie lebte im Quartier St. Germain, malte und zeichnete in der verbleibenden Zeit. Die junge Frau erlebte den Regimewechsel durch die Ankunft deutscher EmigrantInnen.


Berufstätigkeit I

Nach Köln zurückgekehrt lebte sie als freischaffende Zeichnerin und Grafikerin, sie arbeitete als freie Mitarbeiterin u.a. für Verlage wie DuMont Schauberg (Kölnische Zeitung). Ursula Dietzsch-Kluth weigerte sich laut ihrer Autobiographie, der Reichskulturkammer beizutreten. [8] Die Künstlerin konnte deshalb bis 1945 nicht ausstellen. Nach einer längeren Italienreise mietete sie ein Atelier in der Nähe der Kirche St. Kolumba, im Dischhaus, an.


Familie

Ursula Kluth heiratete 1938 Hans Hubert Dietzsch jun., genannt Peter, einen Kölner Geschäftsmann. Er entstammte dem Künstlerhaus Dietzsch-Sachsenhausen, sein Vater war ein berühmter Bildhauer. Bei der gemeinsamen Wohnungssuche nahm Ursula Dietzsch-Kluth des öfteren Hinweisen wahr, es handele sich um von Juden gesäuberte Häuser.[9] Das Paar zog nach Köln-Marienburg. In der Nachbarschaft wohnte u.a. der Dirigent Otto Klemperer. 1940 wurde Sohn Michael geboren. Ursula Dietzsch-Kluth verfasste vereinzelte Gedichte, u.a. über Kriegsnächte in Köln. Einige Monate wohnten Mutter und Kind in Bendorf-Sayn, sie verbrachte die Kriegsjahre mit dem Sohn aber überwiegend in der Nähe von Landshut. Ein Angebot, an den Werkschulen Mode und Design zu unterrichten, lehnte sie ab, da damit die "Vermittlung nationalpolitischen Gedankengutes in der künstlerischen Arbeit" verbunden gewesen wäre.[10] Ursula Dietzsch-Kluth hat mehrere Kinder. Sie lebte einige Zeit in einem Altenheim in Brühl, derzeit in Trier.


Berufstätigkeit II

1948 kehrte Ursula Dietzsch-Kluth nach Köln zurück. Hier nahm sie ihre Verlagsarbeit wieder auf, fertigte des weiteren Theaterzeichnungen, Werbungen und Buchillustrationen an und illustrierte Reportagen. 1960 erhielt die Grafikerin einen Lehrauftrag an der Kunstschule Aachen. 1963 bis 1975 arbeitete sie als Kunsterzieherin an der Kaiserin-Theophanu-Schule, einem Kölner Mädchengymnasium. Auch währenddessen produzierte sie weiterhin freie Kunst. Ursula Dietzsch-Kluth verfasste in höherem Alter autobiografische Texte.


Engagement

Ursula Dietzsch-Kluth war in mehreren KünstlerInnenverbänden aktiv. In die GEDOK KÖLN trat sie spätestens 1953 bei der Wiedergründung ein. 1955 bis ca. 1958 war sie Fachbeirätin für Bildende Kunst. Sie beteiligte sich an vielen Ausstellungen der GEDOK und wurde 2001 zur Ehrenvorsitzenden ernannt.[11]


Ausstellungen und Kataloge

Ursula Dietzsch-Kluth hatte Ausstellungen in ganz Deutschland, in Paris und mit dem Deutschen Kunstrat in Haiti, Beirut, Bangkok, Manila und Saigon.

  • Köln - Italien. Bilder aus den Jahren 1954-1967. Das italienische Kulturinstitut beehrt sich sich, Sie zur Eröffnung der Ausstellung... am 10. Oktober 1967... einzuladen. Köln: Selbstverlag des Ital. Kulturinstituts Köln 1967, Faltblatt (Kunsthistorisches Institut)
  • Malerei und Graphik aus drei Jahrzehnten, [Richard Kreidler], Köln o. J. [1980], 8 S.
  • Dossier in der Kunst- und Museumsbibliothek Köln
  • Illustration zu May Höst: 'Das Mädchen "Titt", aus d. Norweg., Köln Volker-Verl. 1949
  • Illustrationen zu Jean Trocher: Blanche und Pierre. Geschichte einer Liebe, aus d. Franz., Bonn : Verl. d. Europäischen Bücherei 1957
  • Illustrationen zu Gilbert Merlin: Andrea und die rote Nacht. Ein Liebesroman, Bonn : Verl. d. Europäischen Bücherei 1949


Literatur von Ursula Dietzsch-Kluth

  • „Ein Sandkorn im Getriebe der Zeitgeschichte“. Erinnerungen, Briefe, Gedanken aus den Jahren 1929 bis 1949. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2004 ISBN 3-8334-1143-0
  • Carlino oder die Kraft eines Traumes : die Legende einer Kindheit und die Geschichte über einen außergewöhnlichen Mann, Norderstedt : Books on Demand GmbH 2007 ISBN 978-3-8334-8362-2


Literatur über Ursula Dietzsch-Kluth

  • Karin van Leyden : Stationen im Leben einer Malerin, München: Buch&Media 2009


Einzelnachweise

  1. Sie war Malerin, diente in Paris u.a. als Modell für Man Ray und von Hoyningen-Huene und heiratete 1928 den niederländischen Künstler Ernst van Leyden. Das Paar lebte in Loosdrecht. Ernst van Leyden wurde als Jude von den Nazis ermordet.
  2. Charlotte wurde Lo genannt, vgl. Sandkorn, S. 12
  3. Sandkorn, S. 80
  4. "Meine Schwestern rümpften die Nase über die engen Straßen der ehemaligen Festungsstadt und die kurzen Straßenbahnwagen, die sich mit Mühe durch die schmalen Gassen schob. Nur die 'Ringe', die breiten Promenaden, frühere Festungswälle, und die 'Lämmerweide' fanden Gnade vor ihren Augen. Die 'Lämmer' waren die Töchter, die von ihren Eltern sonntags ausgeführt wurden, und von den Studenten, die auf der nahen Opernhausterrasse ihren Frühschoppen hielten, kritisch beäugt wurden." Sandkorn, S. 14
  5. Sandkorn, S. 14
  6. Allessandro Stradella unter Regisseur Hetzel, vgl. Sankorn, S. 29
  7. Wieder zurück in KÖln, wo sich die braune Meute inzwischen ausgebreitet hatte. ... Wieder für kurze Zeit in der Kuntschule spürte man schon den Beginn einer Gesinnungsspaltung. Wir, die wir der grenzübergreifenden Kunst anhingen, standen den Studenten der Uni entgegen, die durchsetzt war mit Nazis." Sandkorn, S. 27
  8. "Wieder in Köln erschien als Erster ein Herr der Reichskulturkammer bei mir. Die Ehrung, in den Verein aufgenommen zu werden, war einer der unterschwelligen Zwänge jener Jahre. Denn bei Weigerung und Verdacht auf 'entartete Kunst' nicht aufnahmeberechtigt, verlor man die Erlaubnis, an Ausstellungen teilzunehmen, Material zu kaufen und finanzielle Unterstützung bei Reisen zu erhalten. Von jeher hasste ich staatliche Vereine. Auch war mir noch ein Abend in München in Erinnerung, als bei einer Bücherverbrennung das Volk schweigend auseinanderging, nur die SA johlte. So erklärte ich dem Herrn, ich sei nicht interessiert. Er aber bestand auf meiner Mitgliedschaft. Ich sagte, ich kenne viele Maler, deren Bilder ich weit höher schätze als meine, die aber nicht in der Kulturkammer seien. Ich wusste sehr wohl, wen ich meinte, Nolde, Beckmann etc. 'Aber dann können Sie nicht ausstellen', sagte er. 'Ach, dann warte ich eben', und überließ seiner Phantasie, was ich damit meinte. ... Ich war noch frei und konnte über mein Leben verfügen bis in die Gefahrenzone. Vielleicht habe ich damals nur die Freiheit verteidigen wollen, auf meine Art. Ein Märtyrer wollte ich nicht werden, die verschwanden kommentarlos in der Versenkung." Sandkorn, S. 45 und S. 46
  9. vgl. Sandkorn. S. 73/4
  10. Sandkorn. S. 90
  11. Chronik im Archiv der GEDOK KÖLN


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