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Version vom 17. Mai 2019, 19:07 Uhr

Ruthilde Bürgers (* als Ruthilde Ringwald am 1. Juni 1921 in Freiburg/Breisgau; † am 10. Juli 1995) war eine Kölner Kunstförderin.


Kindheit und Familie

Ruthilde Ringwald stammte aus der Familie der protestantischen Chemiker Grüneberg (Chemischen Fabrik Kalk). Ihr Großvater war vermutlich Hermann Julius Grüneberg (11. April 1827 in Stettin), der Sohn eines Orgelbaumeisters aus Pommern. Hermann Julius Grüneberg war aufgrund lange bestehender Geschäftskontakte ins Rheinland verzogen und hatte sich 1860 mit Emilie Schmidtborn (1869-1908), Tochter eines Koblenzer Superintendenten, verheiratet.[1] „Es ergibt sich, dass das Leben beider Familien - der preußischen Orgelbauer-Familie und der nassauischen Pfarrersfamilie – von protestantischer Frömmigkeit geprägt ist.“[2] Hermann Julius Grüneberg wurde Mitgründer der Chemischen Fabrik Kalk und zu Beginn wohnte das junge Paar auf dem Werksgelände (Victoriastraße 52 a, heute Vietorstraße).[3] Als der Nachwuchs auf fünf Kinder angewachsen war, zogen sie zunächst an den Holzmarkt, danach in eine repräsentative Villa (Sachsenring 69).[4]

Hermann Julius Grüneberg verheiratete Hildegard Grünewald (eine Nichte?) mit dem Kinderarzt Dr. Ernst Ringwald, dem Sohn seines Freundes, des Tabakunternehmers Carl Ringwald. Das Ehepaar zog nach Freiburg. 1921 kam Ruthilde zur Welt, später deren Schwester Hadwig Ringwald,[5] ggf. war Roswithe Neukamp eine weitere Schwester. Ihre Kindheit verbrachte Ruthilde in Köln, in der Villa Grüneberg.

Schule und Ausbildung

Nach der Schulzeit in Köln (vermutlich auf dem Evangelischen Lyzeum Antoniterstraße) verbrachte Ruthilde Ringwald als höhere Tochter drei Jahre in einer Frauenschule mit Internat in Weimar (Schule Dr. Weiß), die sie im Jahre 1939 mit dem Reifezeugnis beendete. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrte sie nach Köln zurück.

Die Schule und die Zeitumstände erweckten in ihr den Wunsch nach einer Ausbildung im gestalterischen Bereich. Sie ließ sich 1941-43 an der Bayerischen Staatsanstalt für Lichtbildwesen zur Fotografin fortbilden. Zuvor hatte sie den obligatorischen Kriegshifsdienst und Arbeitsdienst absolvieren müssen. Nun war sie Gesellin und konnte durchstarten, doch als sie nach Köln zurück kam, fiel im Juni 1943 das Wohnhaus einem schweren Bombenangriff zum Opfer. Zudem waren der Fotografie enge Grenzen gesteckt. Eine eigene Werkstatt zu eröffnen war unmöglich geworden.[6]

Alltag in Nachkriegsdeutschland

1944 heiratete sie Dr. Paul Viktor Bürgers, einen späteren Mitinhaber des Bankhauses I.H. Stein und bekam drei Kinder. [7]


Engagement

"Das Aufspüren junger künstlerischer Talente, aber auch die finanzielle Förderung und Ermutigung älterer Künstlerinnen war ihr in den Aufbruchsjahren der Kunststadt Köln ein besonderes Interesse."[8] Auf einer GEDOK Verkaufsausstellung in der Hahnentorburg lernte sie Margarete Zanders kennen und schätzen. Die bisherige Leiterin der Fachgruppe ‚Bildende Kunst’ fragte - unterstützt von den (früheren) Vorstandsfrauen Elisabeth Michels, Lotte Scheibler, Nina Andreae und Alice Neven DuMont an, ob sie sich eine Mitarbeit im Vorstand der GEDOK vorstellen könne.[9] 1961 übernahm sie zunächst die Nachfolge von Margarete Zanders als Leiterin der Fachgruppe ‚Bildende Kunst’, wurde dann 2. Vertreterin der Vorsitzenden. Über 28 Jahre widmete sie sich den Künstlerinnen und konnte bei mehreren Aspekten auf eine Verbesserung der Vorgänge hinwirken. So gewann sie Professoren der Kölner Werkschulen, Mitglieder des Kulturamtes und KünstlerInnen für qualifizierte Jurierungen. Auch verschaffte sie den traditonell am Jahresende stattfindenden Ausstellungen in der Handwerkskammer höhrere Verkaufszahlen. Sie gewann viele neue Mitglieder unter den Künstlerinnen. Aufgrund der eigenen Kenntnisse über künstlerische Produktionen richtete sie in ihrem Haus (Lindenthal, Rautenstrauchstraße) einen regelmäßigen monatlichen ‚jour fixe’ für GEDOK-Künstlerinnen ein. Dabei wurden mal grafische Techniken besprochen, mal Arbeiten von Bewerberinnen vorjuriert. Bisweilen stand ein Aktmodell zur Verfügung und es wurde gezeichnet. Für früher berühmte Künstlerinnen des Verbandes wie Martha Hegemann oder Hanneliese Martin organisierte sie kleine Ausstellungen. In ihrem Privathaus richtete sie Ausstellungen für wohlhabende geladene Gäste aus und zeigte - als direkte Künstlerförderung - z. B. Bildhauerarbeiten von Heide Dobberkau, Marianne Jovy Nakatenus, Doris Rücker und Arbeiten von Künstlern (1967).[10] "Dies geschah weniger im Hinblick auf den offiziellen Kulturbetrieb, sondern auf die Möglichkeiten, Kunst in den Jahren wachsenden Wohlstands möglichst breit im privaten Bereich von Kunstfreunden und Sammlern verbreitet zu sehen."[11]

Ein weiteres Feld für Engagement eröffnete sich der über 70jährigen, als 1993 die Schließung der Kölner Kultureinrichtung ARTOTHEK drohte. Mehrere KünstlerInnen hatten sie gebeten, die Schließung zu verhindern. Ruthilde Bürgers schloss die lose Gruppe von UnterstützerInnen 1994 zu dem Verein ‚Freunde der Artothek Köln e.V.' zusammen. [12]"Dieses große Anliegen der KünstlerInnen in Köln wurde noch einmal zu einer Herausforderung und wichtigen Aufgabe."[13]

Die Begleitung und Förderung von kreativ tätigen Frauen und Männern war ihr großes Lebensthema, das sie fast bis zu ihrem Tod beflügelte. Ihr großer persönlicher Einsatz wurde nicht bekannt, da sie ihn im Verborgenen ausführte, etwa einzelnen KünstlerInnen Erholungsmöglichkeiten und soziale Hilfen anbot.[14] Der direkte Kontakt zu den KünstlerInnen aus Köln und des Umlandes war der Dank, den sie empfand. "Bei Ruthilde Bürgers konnte immer wieder mit Begeisterung erlebt werden, dass Kunst und persönliche Lebenswelt unverkrampft zusammenpassten. Viele Kölnerinnen und Kölner verdanken ihren ersten und bald auch begeisterten Kontakt zur Kunst den lebhaft frequentierten ‚Atelierbesuchen’, die Ruthilde Bürgers mit Gespür für künstlerische Tendenzen und Qualitätsgefühl über viele Jahre hinweg in Köln und Umgebung anbot.[15]


Ein weiteres Feld für ihr Engagement wurde die Natur, die für sie immer bedeutender, zu einer Kraftquelle wurde. Die immer noch vermögende Frau trat als Kommanditistin in das Institut für Resonanztherapie ein. Hier waren u.a. die Naturheilpraktikerin Irene Lutz und Gräfin Marion Hoensbroech von Schloss Türnich aktiv. Sie und viele andere Menschen wollte dazu beitragen, großflächige Waldgebiete energetisch aufzuladen und von Schädigungen durch Menschen zu heilen, zu entstören. Ruthilde Bürgers engagierte sich u.a. auch im Rheingau.[16]

Ehrung

Den für sie vorgesehenen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland nebst Urkunde konnte sie aufgrund ihres Todes nicht mehr entgegennehmen.


Literatur

Für die GEDOK Köln fungierte Ruthilde als Herausgeberin einiger kleiner Schriften bzw. Kataloge, u.a. die Loseblatt-Sammlung

  • Bildende Kunst 1976. Informationen über 36 Künstlerinnen der GEDOK-Köln, Gruppe B.K, Köln Lang, 1976


Quellen

  • Nachruf GEDOK Köln (im Archiv des Kölner Frauengeschichtsvereins)
  • Nachruf der Stadt Köln vom 19.7.1995 (pi)
  • Todesanzeige
  • Andreas Dornheim: Forschergeist und Unternehmermut. Der Kölner Chemiker und Industrielle Hermann Julius Grüneberg (1827-1894), Köln Weimar Wien Böhlau, 2006 ISBN 9783412030063


Weblinks



Einzelnachweise

  1. Gesellschaftliches Engagement in Verbänden und Vereinen; vgl. Rita Wagner zur Gründung der "Chemischen Fabrik Kalk G.m.b.H. in Köln" http://www.museenkoeln.de/homepage/bild-der-woche.asp?bdw=1997_41
  2. http://www.hermann-grueneberg.de/lebenswerk/sozialwirken.html (A04)
  3. Quelle (A38-1)
  4. Das ursprüngliche Kalker Wohnhaus in der Victoriastraße schenkte die Witwe Emilie Grüneberg später der Evangelischen Gemeinde Kalk für eine rechtsrheinsiche Evangelische Töchterschule(A38-1), eine Häuserzeile Holzmarkt 23–27 an die Heilsarmee zur Einrichtung eines Stützpunktes der „Trinker-Rettungsbrigade“. vgl. http://www.hermann-grueneberg.de/lebenswerk/sozialwirken.html (A38-3/4)
  5. diese heiratete Walther Brügelmann, Jg. 1897
  6. vgl. Nachruf GEDOK KÖln
  7. Paul Viktor Bürgers war Gründungspräsident des Kölner Rotary Clubs vom 19. März 1959. Er war mit der Familie Minderop verwandt.
  8. Nachruf Stadt Köln 19.7.1995
  9. vgl. Nachruf GEDOK KÖln
  10. vgl. Nachruf GEDOK KÖln
  11. Nachruf der Stadt Köln vom 19.7.1995
  12. http://www.museenkoeln.de/artothek/default.aspx
  13. vgl. Nachruf GEDOK KÖln
  14. vgl. Nachruf der Stadt Köln vom 19.7.1995
  15. vgl. Nachruf der Stadt Köln vom 19.7.1995
  16. vgl. Nachruf GEDOK KÖln; vgl. http://www.genios-firmen.de/firma,IN,1,institut-fuer-resonanztherapie-schloss-tuernich-gmbh---co-kommanditgesellschaft.html

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