Kunststickereischule Köln

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Die Kunststickereischule in Köln war eine Ausbildungsstätte im Bereich Kunsthandwerk im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.


Gründung

Köln war bis ins 19. Jahrhundert ein Zentrum der Spitzenindustrie. Diese Kunst war aus ökonomischen Gründen (Konkurrenz von schlesischen Klöpplerinnen und mechanisch arbeitenden Spitzenweberinnen aus Barmen) aufgegeben worden. Ende des 19. Jahrhunderts boten sich neue Erwerbsmöglichkeiten durch die Maschinenstickerei. Auf dieses Gewerbe wurde nachdrücklich Einfluss genommen.[1] Allerdings trat sie in Köln nicht im Verlagsprinzip auf, war keine Fabrikarbeit, sondern eher Heim- und Handarbeit.[2]

Am 22.10.1894 gründeten Männer aus dem Kontext des Kölner Kunstgewerbemuseums zusammen mit interessierten Frauen und Lehrerinnen einen Verein zur Errichtung einer Kunststickereischule in Köln. Im Vorstand des Vereins saßen u.a. der Direktor des Kunstgewerbemuseums von Falke und sein Assistent Schulze. Das Kölner Kunstgewerbemuseum hielt eine große Sammlung an Vorlagen aus allen Industriebereichen vor, so auch aus der Textilindustrie und fühlte sich für den Erhalt der traditionellen Produktion zuständig.

Im gleichen Jahr wurde die Ausbildungsstätte für den Standort Brandenburgerstraße geplant (KStA 3.11.1894). Als Leiterin wurde Fanny Graeff von der Kunststickereischule des Berliner Kunstgewerbemuseums berufen.

1895 kam laut der Presse die Kunststickereischule in Gang [3] Es wurden Kurse für 'Liebhaberinnen' angeboten, des weiteren Unterricht für BerufsstickerInnen und für Weihnachtsarbeiten. Später sollte auch Unterricht für kunstgewerbliche Frauenarbeit stattfinden.


Modernisierung

Ein Zeitungsbericht nannte die Erstellung von Stickereien um 1900 moderne Industrie. In der Tat hielten mehr und mehr die Näh- und Stickmaschine Einzug in das Kunsthandwerk (u.a. seit den 1870er Jahren die Plattstichmaschine). Am 13.7.1901 zeigte das Museum eine Ausstellung mit Kunststickereien hergestellt auf einer Singer-Nähmaschine, die bald in die Privathaushalte Einzug hielt.

Dass einzelne Kurse im Zeichensaal des Museums angeboten wurden unterstreicht die hohe Bedeutung der Vorlage. Das Zeichnen stellte den Ausgang der Kreativität dar. Die Vorlagen stammten oft aus Musterbüchern, ZeichnerInnen kopierten sie und fertigten im besten Fall neue, moderne Versionen als Vorgaben für die StickerInnen. Das Entwerfen von Mustern und das Herstellen der Schablonen für die Industrie wurde immer von geübten ZeichnerInnen durchgeführt. [4] Auch für die Berufs- oder Laienstickerin war eine gute Vorlage der Einstieg in das Werk.

Von Vereinen, Kirchengemeinden u.a. wurden wiederum Produktionen mit vorgegebenen Motiven angefordert. Im Juli 1895 stellte das Kölner Kunstgewerbemuseum zwei Fahnen des Kölner Fecht- und Turn-Klubs aus, ein ander Mal die Fahnen des evangelischen Bürgervereins Nippes, gestickt und gemalt von 'Frl. Stepmann'. Hinzu kamen Luxuswaren für die Verzierung weiblicher Bekleidung. [5] Erstaunlicherweise gab es wenig bis keine Beschwerden von den traditionellen Manufakturen über den Einsatz der Stickapparate.[6] Da der Kölner Museumsdirektor dem Thema sehr aufgeschlossen gegenübertrat, gab es nun häufiger Demonstrationen von kunsthandwerklichen Stickerein am Hansaring zu sehen, zum Beispiel Arbeiten der Schülerinnen von Fanny Graeff, was als „Zeichen der engen fördernden Zusammenarbeit zwischen Schule und Museum“ angesehen wurde.[7] Auch hielt Direktor von Falke selbst Vorträge über Textilarbeit, z.B. über „Die Geschichte der Leinenspitzen“ (KStA 3.4.1897) „Dem Vortrag lauscht ‚ein besonders zahlreiches Damenpublicum’, die Vorträge sind jeweils von ca. 200 –300 Zuhörern besucht.“, was ein großes Interesse signalisiert. Textiles Kunsthandwerk war noch nicht so stark als dilettantische Frauenarbeit abgewertet wie im späteren 20. Jahrhundert.


1897 wurden Kunststickereien aus dem Lehrinstitut für Kunsthandarbeiten der Eugenie Reinhardt präsentiert.[8], 1900 finden wir die letzte Ausstellung mit SchülerInnenarbeiten der Kölner Kunstickereischule unter der Leitung der inzwischen verheirateten Frau Küppers-Graeff.[9] 1903 gab es nochmals eine Kunststickerei-Ausstellung von Margarete Trautwein aus Bremen.[10] Die Kölner Kunststickereischule aber versank im Dunkel der Geschichte ... [11]

Literatur

Einzelnachweise

  1. http://www.modetheorie.de/fileadmin/Texte/r/Rasch-Das_Eibenstocker_Stickereigewerbe_1910.pdf; bzgl. Österrich: "Auch der Staat gründete Anstalten für gewerbliche Frauenberufe (Kunststickereischule, Wien 1874; Zentral-Spitzenkurs, Wien 1879; Fachschule für Maschinenstickerei, Dornbirn 1891; Zentrallehranstalt für Frauengewerbe, Wien 1910 und andere)." http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.f/f701534.htm
  2. Wo Maschinenstickerei fabrikmäßig durchgeführt wurde, entwickelte sie sich dagegen zur Männerarbeit: "Wenn ausschließlich die Frauen- und Kinderarbeit während des 18. und noch über das siebente Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hinaus für die Klöppelei und Stickerei Verwendung fand, so trat mit der Einführung der Handmaschine ein Umschwung ein. Während die Tamburmaschine auch von Weibern bedient werden kann, ist die Frau infolge unzureichender Körperkräfte bei jener nur als Hilfsarbeiterin zu verwenden. Durch die mehr untergeordnete Stellung, welche jetzt der Frauen- und Kinderarbeit in Eibenstock zugewiesen ist, ist zugleich der Richtweg für die Darstellung gegeben. Die Verhältnisse sind mehr vom sozialpolitischen Standpunkte aus zu betrachten, allerdings immer unter dem Gesichtswinkel der spezifischen Bedeutung, welche dieser Teil der Arbeiterschaft im Auf und Ab der Modekonjunktur einnimmt. ... Für Frauen blieben nur Hilfsarbeiten: "Die Aufpasserinnen, die zugleich das Fädeln mit der Hand oder mit der Maschine besorgen, sind teils Fabrikarbeiterinnen, teils Gehilfinnen der Hausindustriellen." http://www.modetheorie.de/fileadmin/Texte/r/Rasch-Das_Eibenstocker_Stickereigewerbe_1910.pdf
  3. KStA 23.9. 1895
  4. Es heißt in einer zeitgenössischen Arbeit: "Die Herstellung der Stickschablone bildet den rein mechanischen Teil der Zeichnerarbeit. Die Skizze wird, sechsmal vergrößert, im Umrisse aufgezeichnet, die Stiche werden als gerade Linien eingetragen. ... Auch das Vergrößern verlangt Verständnis der Maschinenstickerei." ... Es wird vom "Fabrikanten-(Verleger) für jedes Muster, für dessen Entwurf er Angaben macht, ein Höchstpreis festgesetzt, der mittelbar durch die Stichzahl eines Rapports ausgedrückt ist; die Verteilung, die Lage, die Zahl der Stiche sind vom Zeichner so einzurichten, daß die Kosten für das Material und die Arbeitslöhne möglichst niedrig sind." http://www.modetheorie.de/fileadmin/Texte/r/Rasch-Das_Eibenstocker_Stickereigewerbe_1910.pdf. Die Musterzeichner hatten einen eigenen Berufsverband, den Verein selbständiger Musterzeichner.
  5. http://www.modetheorie.de/fileadmin/Texte/r/Rasch-Das_Eibenstocker_Stickereigewerbe_1910.pdf
  6. Es gab vereinzelt Untersuchungen über die Hausproduktion: Elisabeth v. Richthofen: Die Perlenstickerei im Kreise Saarburg in Lothringen“, in: Schriften des Vereins für Sozialpolitik 1899, Bd. 86, S. 343/53; Helene Simon: „Das Stickereigewerbe in Berlin“, in: Schriften des Vereins für Sozialpolitik“, 1899, Bd. 85, S. 546 ff.
  7. KStA,
  8. Besprechung KStA 25.9. 1897, 19.10.1897
  9. Die Schule war inzwischen selbst an den Hansaring 21 verzogen, vgl. KStA, 5.10.1900
  10. KStA, 16. 9. 1903
  11. In Karlsruhe entstand aus der Vorbildersammlung der 1923 aufgelösten Kunststickereischule das Museum für alte und moderne Stickerei, vgl. http://ka.stadtlexikon.org/publikationen/frauen_im_aufbruch/pdf/frauen_im_aufbruch_154.pdf

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