Gräfin Anna von Spee: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. November 2012, 18:21 Uhr

Anna von Spee (* 12.3.1868 in Breitscheid; † 22.9.1949 in Köln) war eine Ordensschwester und Ehrenbürgerin der Universität Köln


Werdegang

Anna von Spee stammt aus der Familie von Ferdinand Reichsgraf von Spee und wurde auf dem Wasserschloss Haus Linnep in Ratingen geboren. [1]

Gräfin Anna von Spee trat einem Orden bei und wurde Armenschwester vom hl. Franziskus. [2] Diese katholische Ordensgemeinschaft war Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Aachenerin Franziska Schervier gegründet worden. Die Schwestern verpflichteten sich, in armen und leidenden Menschen Christus zu dienen. Sie ünermahmen Tätigkeiten in Suppenküchen, betreuten Prostituierte, pflegten Kranke in ihren Wohnungen - selbst Cholera- und Pockenkranke - und kümmerten sich um Kinder von FabrikarbeiterInnen. Ihren Kölner Sitz hatten sie am St. Franziskus Hospital, zu Beginn des 19. Jahrunderts lag dies bereits in der Schönsteinstr. 63.

In dieser dienenden Funktion führte Schwester Ignatia, wie die Gräfin nun hieß, nach der Wiedergründung der Universität Köln [3] 1919 die Universitätsmensa.

Ausgrenzung von Studentinnen

"Die erste Studentenküche - die mensa academica - wurde im Winter 1919 von Franziskanerschwestern im Gebäude der Schokoladenfabrik Stollwerck in der Annostraße eingerichtet, doch für Frauen war der Zutritt verboten! Das gab es nur in Köln." (Genia, S. 57; Franken, S. 49f. Universität 1919-1929, S. 295f. )

Schwester Ignatia verwehrte den Studentinnen mit dem Argument des Raummangels den Zugang, offensichtlich aber war dieser Grund nur vorgeschoben, denn: "Auch nach dem Umzug der Mensa in das überwiegend aus städtischen Mitteln hergerichtete 'Fort Großherzog Paul von Mecklenburg' am Hindenburgpark [heute Friedenspark, die WikiVerf.] in der Nähe der Universität änderte sich nichts an dieser Praxis." (Genia, S. 57) Da Studentinnen meist weniger Geld zur Verfügung hatten als ihre Kommilitonen war diese Hintansetzung besonders bitter. Kostete in der Mensa das Essen 30 Pfennig (SS 1924), so mussten die Studentinnen für eine warme Mahlzeit 70 bis 80 Pfennig ausgeben und weite Wege gehen.

Der amtierende erste Rektor der jungen Universität, Prof. Christian Eckert, intervenierte. Auch er glaubte offensichtlich nicht an den fehlenden Platz: "Die Studentinnen beklagen sich, dass sie am Mittagstisch der Studenten nicht teilnehmen dürfen, Sie weisen mit Recht darauf hin, dass sie mit ihren männlichen Kommilitonen an den gleichen Vorlesungen, Uebungen und Seminaren teilnehmen, die gleichen Kurse mitmachen, am gleichen Krankenbett, am gleichen Sektionstisch mit ihnen arbeiten, und dass es daher doch gewiss keine Schwierigkeiten machen würde, wenn die Immatrikulierten, die zusammen studieren, auch zusammen essen." (Korrespondenz aus dem Kölner Universitätsarchiv, UAK, 28/399, S. 13, zit. nach Bargfeld, 1994, S. 70). Erstaunlicherweise konnte die Schwester ihren Kurs durchziehen, weder die Studentenburse, der Asta noch die Universitätsleitung konnten Gräfin von Spee umstimmen. Das Universitätskuratorium trug ihr sogar zum 1. 5. 1925 die Ehrenbürgerschaft der Universität Köln an, die sie annahm. (Franken 1995, S. 49; Universität Köln 1919-1929, S. 295; Vorlesungsverzeichnisse).[4]

Katholische Studentinnen lobten dennoch die angeblich "von allen Studierenden hochverehrte Klosterschwester Gräfin Spee" (Rosemarie Ellscheid, 1988, S. 79). Andere Frauen griffen schließlich zur Selbsthilfe, am erfolgreichsten ein emanzipatorischer Verein ''Gaststätten ohne Alkohol'' (GOA), dessen Mitfrauen Else Falk und Dr. Hertha Kraus 1929 im Universitätsgarten einen Restaurantbetrieb eröffneten, den ersten E-Raum der Uni gründeten und besondere Ruheräume für Studentinnen anboten (vgl. Franken, S. 49).

Beendigung des Berufslebens

1934 gab einerseits Armenschwester Ignatia die Mensa auf, andererseits hatten die beiden jüdischen Leiterinnen der GOA bereits ihre Vereinsämter verloren und mit ihrem erzwungenen Rückzug die Aktivitäten fast zum Erliegen gebracht. Nun erst wurden erstmals Studentinnen regulär zur Kölner Mensa zugelassen.

Literatur

  • Artikel Goa in: Die Frau und ihr Haus, 11. Jg., H. 9, Sept. 1930, S. 228
  • Irene Franken: 'Ja, das Studium der Weiber ist schwer!' Studentinnen und Dozentinnen an der Universiität Köln bis 1933. Katalog zur Ausstellung vom 24.8. -190.6.1995, hrsg. von der Frauenbeauftragten der Universität zu Köln, dem Kölner Frauengeschichtsverein und der Universitäts- und Stadtbibliothek, Köln 1995
  • Rosa Maria Ellscheid: Erinnerungen von 1896 - 1987, hsrg. von Werner Schäfke. Köln 1988 (= Veröffentlichungen des Kölnischen Stadtmuseums, H. V)
  • Claudia Bargfeld: Lebens- und Arbeitswelten Kölner Studentinnen von 1919 -1933. Unv. Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Köln 1994.
  • Sully Röcken: Der Stadtverband Kölner Frauenvereine und seine angeschlossenen Vereine, hsrg. von Kölner Frauengeschichtsverein, in: Zehn Uhr pünktlich Gürzenich. Köln 1995, S.- 183-219, bes. S. 207 ISBN: 3-929440-53-9
  • Genia. Nur für Frauen. Lese- und Handbuch für Studentinnen, hsrg. von Frauenbeauftragte der Universität zu Köln, Köln 1995

Einzelnachweise

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Linnep
  2. http://www.schervier-orden.de/site/index.php
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Uni_K%C3%B6ln
  4. http://www.uniarchiv.uni-koeln.de/fileadmin/templates/uak/PDF/Ehrensenatoren_A4.pdf


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