Frauenbund zur Förderung deutscher bildenden Kunst: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. November 2012, 19:16 Uhr

Der Frauenbund zur Förderung deutscher bildenden Kunst (* 1916) war ein Zusammenschluss bürgerlicher Frauen zum Ankauf von Kunstwerken für Museen


Gründung

Während des Ersten Weltkrieges schlossen sich kunstbegeisterte Frauen zusammen und gründeten im Juni 1916 in Hamburg einen mäzenatischen Förderverein. Beteiligt waren primär die Hamburger Jüdinnen Ida Dehmel (Kunsthandwerkerin, Autorin, Frauenrechtlerin und ‚Muse’ vieler Dichter) und die Kunsthistorikerin Dr. Rosa Schapire, die gemeinsam für mehrere Gründungen von Frauenkunstvereinen verantwortlich sind. Dieser neue Bund hatte weniger eine frauenemanzipatorische, denn eine kulturell-national(istisch)e Ausrichtung.

Vereinszweck

Ziel war der Ankauf von Kunstwerken (deutscher Künstler) und die Übergabe an Museen in Deutschland.


Vereinsleben

Der Frauenbund zur Förderung deutscher bildenden Kunst gab sich die Struktur eines Dachverbandes mit Ortsgruppen. Bereits 1916 entstanden Ortsvereine in Köln, Elberfeld, Hagen/Westfalen, Berlin und Dresden. Lokale Gründungen sind für 1918 in Mannheim, Heidelberg, Bremen, Essen und Stuttgart belegbar, weitere waren in Planung. Neben dem Beitritt zu einem der Ortsvereine konnte auch eine Einzelnmitgliedschaft erworben werden. Es galt das Prinzip: “Der Bund will an großen Plätzen Ortsgruppen gründen, an kleinen Einzelmitglieder werben." [1]

Von Anfang an warben die Vereinsgründerinnen offensiv mit ihrem Anliegen: „Zur Werbung neuer Mitglieder versandte der Vorstand eine persönliche Beitrittsaufforderung (…) mit folgendem Wortlaut: ‚Sehr geehrte gnädige Frau, wir haben die Ehre, Sie aufzufordern, unserer Organisation als Mitglied beizutreten.’ [2] Die beitretenden Frauen spendeten in der Regel für ein konkretes Ankaufsvorhaben.

Ohne die Erfahrungen, Beziehungen und Tatkraft von Ida Dehmel „wäre der Frauenbund nicht lebensfähig gewesen. (…) Im Förderkreis des Expressionismus wuchs Ida Dehmel in die Rolle der Mäzenin und Organisatorin hinein.“ .“[3] Der Bund hatte jedoch gerade durch die Mitarbeit von Dr. Rosa Schapire sein inhaltliches Niveau. „Es war ihr Verdienst, der expressionistischen Kunst zu einem frühen Zeitpunkt Aufmerksamkeit sowie Sammler und Sammlerinnen verschafft zu haben.“[4] Dennoch war ihre Person in dem Förderbund umstritten, wie Ida Dehmel ihrer Schwester Alice Bensheimer im Mai 1919 mitteilte. „Ich genieße allgemeines Vertrauen, bin aber äußerst belastet durch die Schapire, gegen die alle was haben, ohne die aber der Bund keinen Monat länger existiert.’ [5]

Die örtlichen Vorsitzenden stellten zusammen mit dem in Hamburg angesiedelten Hauptvorstand den Ausschuss. „Nach Aussage der ersten Vorsitzenden Ida Dehmel im Sommer 1919 war der Umgang mit den Ortsgruppenvorsitzenden nicht immer einfach: ‚Die Damen sind furchtbar kritisch und schwer zu befriedigen.“ [6]

Noch während des Krieges, bis 1918, wuchs die Zahl der Mitfrauen auf mehr als 600 an. 1919 war der Höchststand mit erhöhte zwölf assoziierten Vereinen und 700 Mitfrauen erreicht.


Im August 1917 fand die erste Vorstandssitzung in Hamburg statt. Eine weitere Vorstandssitzung des Förderbundes fand im Mai 1919 in Berlin statt. Delegierte aus Köln war 1917 Frau Leffmann, weitere Kölner Mitfrauen waren u.a. Ada Deichmann und Margarete Zanders. Für Berlin wirkte Lotte von Mendelssohn Bartholdy, für Elberfeld die Kunstsammlerin Selma Freifrau von der Heydt.

Aktivitäten

  • "Im Jahre 1917 wurde ein Stillleben von Schmidt-Rotluff der Hamburger Kunsthalle als Geschenk übertragen." [7] Es handelte sich um Karl Schmidt-Rottluffs Werk „Georginen in Vase" (1912), ein Blumenstilleben. 1918 erhielt das gleiche Haus ergänzend Karl Schmidt-Rottluffs 1915 gefertigtes Ölgemälde „Bildnis Bertie Rosenberg".
  • 1918 stifteten die Frauen ein Bild von Ernst Ludwig Kirchner der Bremer Kunsthalle (Segelregatta).
  • Im gleichen Jahr erhielt die Mannheimer Kunsthalle eine Stadtansicht von Soest des Malers Christian Rohlfs.
  • 1919 wurde ein Museum in Elberfeld mit einem Frauenbildnis von Fritz Friedrichs beschenkt.
  • Im Vereinsbericht von Sept. 1918 ist ein weiteres Beitragskonto für eine Radierung von Heckel erwähnt.
  • Die Kölnerinnen setzten anscheinend keine Museumsschenkung durch. Sie planten für den Spätherbst (November) 1917 „eine grafische Ausstellung, auf der Ida Dehmel die Eröffnungsrede halten sollte.“ [8] Diese kam vermutlich wegen des Kriegsverlaufs nicht zustande. In Köln wurde jedoch ab Herbst 1918 eine von der Kunsthistorikerin Rosa Schapire kuratierte Verkaufsschau nachimpressionistischer Kunst gezeigt, die nach Hamburg Elberfeld, Hagen auch in Köln Station machte. [9]

Ende

Wann der Frauenbund zur Förderung deutscher bildenden Kunst seine Tätigkeiten einstellte, ist nicht genau zu benennen. 1920 sind keine Vereinsaktivitäten mehr erkennbar. Zweifellos waren die revolutionären Umwälzungen bis zur Schaffung der Weimarer Republik, der Niedergang der Wirtschaft aufgrund des Versailler Vertrages und die nahende Inflation dem Kunsterwerb nicht günstig.

Die Kunsthistorikerin Maike Bruhns konstatierte laut Matz, dass die Resonanz in der Gesamtbevölkerung gering gewesen sei, HauptadressatInnen seien „bestimmte Sammler- und kunstinteressierte Kreise, darunter viele jüdische Hamburger“ gewesen.[10] Dennoch kann nach Matz der Verein durch „die Erschließung eines kunstunterstützenden Frauenkreises“ als eine Vorläufereinrichtung „für die nachfolgenden Ortsgruppen-Gründungen der GEDOK“ eingeschätzt werden.[11]


Literatur/Quellen

  • Der Cicerone, 8. Jg., 1916, H. 13/14, S. 290
  • Kunstchronik, N. F., 17. Jg., 1915/16, H. 38
  • Vereinsrundbrief, (Nachrichten der) Geschäftsstelle Hamburg-Uhlenhorst, Sept. 1918 (Archiv Zanders, Bergisch Gladbach, Rosa Mappe)
  • Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Quellenbestand DA= Dehmel-Archiv, Korrespondenz Ida Dehmel/Alice Bensheimer, SUB H, DA:Br.: 1916:219 (Briefverkehr zwischen Ida Dehmel und Dr. Rosa Schapire)
  • Cornelia Matz: Die Organisationsgeschichte der Künstlerinnen in Deutschland von 1867 bis 1933. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie der Fakultät für Kulturwissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 2001 ; Online verfügbar unter http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2001/417/pdf/matz_complete.pdf, zuletzt geprüft am 20.09.2012.
  • Maike Bruhns: Die Zerschlagung der Hamburger GEDOK, in: Republik der Künste. 70 Jahre GEDOK. Avantgarde und Tradition. Bearbeitet von Roswitha Siewert, hrsg. von der GEDOK Schleswig-Holstein, Lübeck 1996, S. 84f.

weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Werkstatt der Kunst, 16. Jg., Heft 12, 18.12.1916, zit. nach Matz, S. 227
  2. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, DA:Br.: 1916:219, Rosa Schapire an Ida Dehmel,12.7.1916, zit. nach Matz, S. 227
  3. Matz, S. 231
  4. Matz, S. 231, Anm 127
  5. SUB H, DA:Br.: Korrespondenz Ida Dehmel/Alice Bensheimer, 21.5.1919, zit. nach Matz, S. 231
  6. zit. nach Matz, S. 229/230
  7. (Nachrichten der) Geschäftsstelle Hamburg-Uhlenhorst, Sept. 1918, Bl. 1
  8. SUB H, DA:Br.: Korrespondenz Ida Dehmel/Alice Bensheimer, 8.8.1917, zit. nach Matz, S. 227
  9. vgl. Matz 230
  10. vgl. Bruhns, nach Matz, S. 231
  11. Matz, S. 231


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