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Version vom 4. November 2012, 19:15 Uhr

Flora Jöhlinger (* 26. Mai 1882 in Köln) war Journalistin, Malerin, Restauratorin und Leiterin eines Puppenspiels mit biblisch-jüdischen Handlungsmotiven in Köln.


Familie und Ausbildung

Flora Jöhlinger stammte vermutlich aus einer Familie von Kaufleuten aus dem Umkreis von Heidelberg. Ihr Mutter war dann Therese Hirsch (* 1853 in Ladenburg am Neckar; † 1925 in Köln), ihr Vater der Kaufmann Eduard Jöhlinger (* 1852 in Wiesloch; + 1912 in Honnef). Sie heirateten 1881 in Köln. Ihr Bruder war vermutlich Dr. (Daniel) Otto Jöhlinger (* 1883 in Köln; † 1924 in Berlin). Der habilitierte Wissenschaftler nahm nach einer Dozentur in Berlin eine Stelle als Studiendirektor der 'Verwaltungsakademie in Köln' ein.[1]


Es sind Bilder von 1892 erhalten, die sie mit Otto Jöhlinger im Karnevalskostüm zeigen. Der Wohnort der Flora Jöhlinger in Köln lag laut Adressbuch 1929 in der Roonstraße 40 ("Malerin"), 1932 in Ehrenfeld, Terrassenweg 10 - darüber verläuft vermutlich heute ein Gräberfeld des erweiterten Melatenfriedhofs.


Berufstätigkeit

Flora Jöhlinger war auf verschiedenen kreativen Gebieten tätig. Es sind Bilder, Artikel, Bühnenbilder überliefert, auch wird sie als Restauratorin bezeichnet.[2] 1928 war sie für den Innengestaltung der 'Jüdischen Sonderschau' auf der Internationalen Presseausstellung PRESSA zuständig, sie leitete den enstprechenden Ausschuss.[3] Sie fertigte Bilder für den jüdischen Pavillon an, die in der Presse erwähnt wurden, darunter Darstellungen altpalästinensischer Münzen sowie Abbildungen jüdischer 'Vorgänger' (Moses Mendelssohn, Theodor Herzl), jeweils gekennzeichnet mit F.J. [4] Im Dezember 1934 wirkte sie an einer Aufführung des musikalischen Bühnenspiels für Kinder Wir bauen eine Stadt von Paul Hindemith (1930) mit, das von der "Jüdischen Kunstgemeinschaft " im "Chanukkah-Monat" 1934 aufgeführt wurde.[5] Die Anzeige in dem Informationsblatt des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr führt Flora Jöhlinger als Leiterin der 'Dekorationsgruppe' an.[6]

Ende Oktober 1936 gründete die Künstlerin in Köln das erste 'jüdische' Marionettentheater in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Europa.[7] Hier arbeitete u.a. die jüdische Puppenspielerin Fanny Meyer, die 1933 als städtische Bedienstete des Hänneschen-Theaters entlassen worden war.[8] "Den vom Marionettentheater aufgeführten Stücken lagen oft jüdisch-biblische Themen zugrunde. ... Die Aufführungen wurden in der lokalen und überregionalen jüdischen Presse gelobt, insbesondere stellt man die Originalität der von Flora Jöhlinger und ihren jugendlichen Helfern entworfenen Puppen heraus."[9] Als Autorinnen von Stücken werden Susanne Auerbach, Margarete Berent und Flora Jöhlinger genannt, Cilly Marx war als Bearbeiterin beteiligt.

Im gleichen Jahr 1936 war sie an einer Ausstellung jüdischer KünstlerInnen aus ganz Deutschland im Jüdischen Kulturzentrum in Berlin beteiligt. Neben Flora Jöhlinger stellten die früheren GEDOK Köln-Künstlerinnen Lisel Wetzlar und Lotte Prechner sowie die Rheinländer Hans Eltzbacher und Otto Schloss aus.[10]

Flora Jöhlinger überlebte die Verfolgung, ein Foto zeigt sie 1949 in New York City.

Engagement

Flora Jöhlinger war 1929 eine der ersten Mitfrauen der Künstlerinnenvereinigung GEDOK Köln. In der Liste der Reichs-Gedok von 1932/33 war sie unter Schriftstellerinnen aufgeführt.[11] Es sind allerdings kaum Texte recherchierbar.

1932 lud sie zu einem Treffen der Schriftstellerinnen in ihre Wohnung ein, was darauf verweist, dass sie eine aktive Rolle in dem Netzwerk spielte und nicht nur einfaches Mitglied war. Nach der Machtergreifung und dem Rücktritt der jüdischen Vorstandsmitglieder Else Falk und Margarete Tietz, die damit einer zwangsweisen Auflösung des Vereins zuvorkommen wollten, schloss sich die Künstlerin der u.a. von Else Falk gegründeten Jüdischen Kunstgemeinschaft an.[12] In dieser waren männliche Mitwirkende zugelassen.[13] Sie gehörte ab 1934 neben Else Falk, Meta Lissauer (Ex-GEDOK Köln), Alice Krieger-Isaac, Else Thalheimer (Ex-GEDOK Köln), ggf. auch Margarete Brent und Cilly Marx, zu den Vorstandsfrauen.[14]


Am 15. Juni 1937 berichtete Flora Jöhlinger in der 'Kölner Chronik' der Jüdischen Rundschau über die erfolgreiche Verkaufsstelle der Vereinigung jüdischer Künstlerinnen (Am Domhof 2), die überregionale Bedeutung erlangt hatte. [15] Vermutlich hat sie darin mitgearbeitet.[16]


Literatur und Werke von Flora Jöhlinger

  • Fries mit der Abbildung einer mittelalterlichen Judenhochzeit, in: Menorah, 6 1928, Heft 6 6., S. 326
  • Het Joodsche Paviljoen op de Pressa, in: Het Vaderland, 10.Juni 1928 (Erwähnung)

Literatur

  • Elfi Pracht: Jüdische Kulturarbeit in Köln 1933–1941, in: Geschichte in Köln, Köln 1991, H. 9, S. 119–155
  • Marlene Tyrakowski: 'Die machten aus uns keine Nazissen.' Kölner Frauenbewegung und Nationalsozialismus, in: Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, Münster, 1995, S. 246-263, ISBN 3-929440-53-9
  • Irmgard Schüler, Reichsausstellung jüdischer Künstler im Jüdischen Museum Berlin, in: Mitteilungen des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr, 3. Jg., H. 9, Köln
  • Die jüdische Presse urteilt über Arbeiten der Kölner Maler auf der Reichsausstellung, in: Mitteilungen des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr, 3. Jg., H. 9, Köln, S. 4–5 [u.a. zu Jöhlingers Bild Blick über Dächer]
  • Barbara Becker-Jakli: Das jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart, Köln Bachem, 2012 ISBN 9783897058736
  • Susanne Marten-Finnis, Michael Nagel (Hg.) Die PRESSA Internationale Presseausstellung in Köln 1928, und der jüdische Beitrag zum modernen Journalismus, Band 2, edition lumière Berlin 2011 = Presse und Geschichte, Neue Beiträge Bd. 65, ISBN 978-3-934686-98-4
  • K. K. Duewell: Jewish Cultural Centres in Nazi Germany, online[17]

weblinks


Einzelnachweise

  1. Er war u.a. der Verfasser volkswirtschaftlicher und Publizistik-bezogener Werke sowie von Büchern zum Judentum, vgl. zum Beispiel Praxis des Getreidegeschäftes an der Berliner Börse 1910, Die Diamanten Südwestafrikas 1914, De uithongeringsoorlog 1918, Zeitungswesen und Hochschulstudium - Einführung zu den Vorlesungen Das Zeitungswesen in Deutschland und im Ausland 1919 oder Bismarck und die Juden. Unter Benutzung unveröffentlichter Quellen vor 1921. Ein Dank geht an die Enkelin von Prof. Jöhlinger, C. Jöhlinger, für die Überlassung von genalogischen Tafeln.
  2. Aufbau, Jg. 8. 1942 , Nr. 38 (18.09.1942), S. 8
  3. vgl. zuletzt: Barbara Becker-Jakli: Das jüdische Köln, S. 289
  4. Het Joodsche Paviljoen op de Pressa, in: Het Vaderland, Den Haag, 10.Juni 1928
  5. Aufführung am 19./20. Dezember, vgl. Mitteilungen des „Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr“, 2. Jg., Nr. 3, Köln, Dezember 1934, S. 15.
  6. vgl. http://www.herbert-henck.de/Internettexte/Thalheimer_III/thalheimer_iii.html#a237
  7. vgl Pracht, S. 129; Gemeindeblatt der Synagogengemeinde zu Köln a.Rh., Nr. 33, 25.10.1935
  8. vgl. Irene Franken: Köln. Der Frauenstadtführer, Köln Bachem 2005
  9. Pracht, S. 129
  10. vgl. K. K. Duewell: Jewish Cultural Centres in Nazi Germany, urprünglich veröffetnlicht als "Jewish Cultural Centres in Nazi Germany, Expectations and Accomplishments", in: J. Reinharz & W. Schatzberg Hg): The Jewish Response to German Culture. From the Enlightenment to the Second World War, Hanover & London 1985, S. 294 - 316, online http://www.jewish-theatre.com/visitor/article_display.aspx?articleid=736&printerfriendly=yes 15.08.2012
  11. Gemeinschaft der Vereinigungen Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen, Sitz Hamburg(Hg.): Mitglieder-Verzeichnis der Reichsgedok 1932/33. Leipzig: Brandstetter 1932.
  12. vgl. Tyrakowski, S. 255
  13. Pracht, S. 129
  14. vgl. Pracht, S. 127–128
  15. http://www.compactmemory.de/scripts/ImgServa.dll/convert?ilFN=e:\\cm_images\\30/521/12839/RUND_42_0723.tif&ilIF=G&ilDT=1&ilSC=50&ilAA=6; vgl. Tyrakowski, S. 255
  16. Herbert Henck führt aus: "Ein Inserat ... informierte die Leser der Mitteilungen zunächst im Februar 1937: „Denken Sie beim Einkauf Ihrer Geschenke an die | Verkaufsstelle der Jüdischen Kunstgemeinschaft | am Domhof 2, I. Etage (Callmann) | Samstags geschlossen!“ [245] Wer hier mit „Callmann“ gemeint ist, ist derselben Anzeigenseite zu entnehmen, wo es in einem Inserat rechts, direkt über der Anzeige der „Jüdischen Kunstgemeinschaft“ heißt: „Callmann | Damenmoden | Köln Domhof 2 Ruf 22 52 71“. ... In der Juni-Ausgabe der Mitteilungen von 1937 erschien wiederum ein Inserat, das dem ersten inhaltlich vergleichbar ist: „Geschenke geschmackvoll | und billig | finden Sie in der | JKU | Jüdische Kunstgemeinschaft Köln | Am Hof 23 / I“ [246]. Beide leicht erreichbare Adressen („Domhof“ bzw. „Am Hof“) liegen unweit des Kölner Doms im selben Häuserblock. Ein Aufsatz von Flora Jöhlinger („F. J.“) stellte die Initiative in der Jüdischen Rundschau am 15. Juni 1937 vor.[247] http://www.herbert-henck.de/Internettexte/Thalheimer_III/thalheimer_iii.html#a237 Dort sind auch die Fußnoten einsehbar. - Der Jurist Dr. Rudolf Callmann hatte 1928 bei der Planung der jüdischen Sonderschau der PRESSA die Vertretung von Max Isidor Bodenheimer inne. Er war aktives Mitglied im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, vgl. Barbara Becker-Jakli, S. 289
  17. http://www.jewish-theatre.com/visitor/article_display.aspx?articleid=736&printerfriendly=yes

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