Erna Weiss-Falk: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. November 2012, 18:08 Uhr

Erna Weiss-Falk (*02. Juli 1893 in Krefeld; † 6. Mai 1945 in Tröbitz/Niederlausitz) war eine Kölner Opernsängerin.
(auch Erna Weisz-Falke geschrieben)

Familie und Ausbildung

Erna Falk stammte vom Niederrhein. Ihre Kindheit verbrachte sie mit ihrer Familie in Krefeld. Das musikalische Mädchen erhielt eine Ausbildung zur Sängerin.


Berufsleben

In Köln arbeitete Erna Falk als Opernsängerin. Sie nahm auch freie Engagements an.


Eigene Familie

Die bereits als Opernsängerin im Rheinland anerkannte Erna Falk heiratete 1922 den gleichaltrigen Josef (Jupp) Weiss, einen Händlersohn aus Flamersheim (Kr. Euskirchen in der Nordeifel) und gläubigen Juden, der jüngste Sohn von neun Kindern.[1] Ihr Mann soll eine charismatische Ausstrahlung gehabt haben. Er war bereits als junger Mann der erfolgreiche Personalchef des populären Kölner Kaufhauses Michel.[2] 1924 und 1928 wurden die beiden Söhne Wolfgang (heute Shalom) und Klaus-Albert (heute Aharon Zachor) geboren. Sie brachte diese im Evangelischen Krankenhaus in Kalk bzw. in der privaten Klinik am Stadtwaldgürtel 42 zur Welt. Die Familie lebte in Köln-Braunsfeld, Wiethasestr. 72.[3]

Shoa

Vermutlich kam Josef Weiss in den Kölner Jahren mit dem Zionismus in Kontakt und die Idee der Auswanderung nach Palästina zog ihn früh in Bann. Bereits im Frühjahr 1933 war die Familie bedroht, Josef Weiss wurde das erste Mal verhaftet. Erna Weiss-Falk floh mit den beiden Söhnen umgehend in die Niederlande, Ehemann Josef Weiss kam im Sommer nach.[4]. Der erste Wohnort bis 1940 war Aerdenhout in Noordholland (Dalialaan 44)[5]. Sie traten dem Niederländischen Zionistenbund (NZB) bei. Josef Weiss konnte sich in Aerdenhout eine neue Existenz aufbauen. Er gründete mit seinem Vetter eine Fabrik für Ledermodenwaren. Josef Weiss ermöglichte mehrfach jüdischen Kindern aus dem Grenzgebiet, aus Deutschland zu fliehen.[6] Als die Familie aus dem unsicheren Holland auswandern wollte, kam ihnen der Einmarsch der deutschen Truppen am 10. Mai 1940 zuvor, und wieder war ihr Leben massiv gefährdet. Nach der Besetzung mussten die beiden Männer ihre blühende Firma aufgeben. Ab 1940 lebte das Paar mit dem jüngeren Sohn in der Stadt Hilversum (Bosdrift bzw Boschdrift 108). Ende Januar 1942 wurde die Familie – der ältere Sohn Wolfgang, der seit 1939 auf einer Landwirtschaftsschule gelernt hatte, war untergetaucht[7] - in das von den nationalsozialistischen Besatzern eingerichtete KZ-Sammellager Westerbork in der Provinz Drenthe verbracht, wo seit Oktober 1939 deutsche und niederländische Juden und Jüdinnen gefangen gehalten und von dort in die Todeslager transportiert wurden. Der Sohn Klaus-Albert war zu dem Zeitpunkt noch nicht 14 Jahre alt. Anfang 1944 wurden Eltern und Kind in das sog „Aufenthaltslager" Bergen-Belsen deportiert. Josef Weiss hatte eine zentrale Position (Judenältester) inne und konnte mehrfach Gefangenen helfen. Nachts getrennt, hatte Erna täglich Kontakt mit Mann und Sohn, die gemeinsam untergebracht waren. Jupp Weiss schmuggelte Anfang 1945 unter Lebensgefahr mehrere Namenslisten aus dem Lager Bergen-Belsen von Personen, die in den letzten Tagen in Bergen-Belsen umgekommen waren – darunter auch die Namen von Margot und Anne Frank, die er persönlich kannte. Er gab die Informationen an das Rote Kreuz weiter. Die Liste bildete die Grundlage für die später veröffentlichte „Lijst van Overledenen van het Sternlager te Bergen-Belsen", die über das Schicksal Tausender Verhafteter Auskunft gab. Seine Frau Erna Weiss-Falk konnte er nicht retten: Am 15. April 1945 wurde das Lager Bergen Belsen befreit, doch die 51jährige starb 13 Tage später an den Strapazen der KZ-Haft bzw. am Flecktyphus. Sie hatte noch kurz in einem Haus in Tröbitz gewohnt.[8]. Ihr Mann wanderte nach Palästina aus.[9] Ihr Grab war in Tröbritz, soll nach Jerusalem verlegt werden.[10]

Engagement

Erna Falk-Weiss war u.a. in der GEDOK Köln organisiert und trat auf Kulturveranstaltungen des Vereins auf. Ebenso wurde sie vom Kölner Frauenklub engagiert und trat z.B. 1931 mit „heiteren Gesängen“ vor den Kölner Mitfrauen auf.


Literatur von Josef Weiss

  • Josef Weiss: SEDERABEND 1945 im KZ BERGEN-BELSEN, in: JUDAICA - Juden in der Voreifel Kümpel Verlag, Euskirchen 1983 S.S.441/42.[11]


Literatur über Erna Weiss-Falk und Josef Weiss

  • Gemeinschaft der Vereinigungen Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen, Sitz Hamburg (Hg.) ([1932]): Mitglieder-Verzeichnis der Reichsgedok 1932/33. Leipzig: Brandstetter.
  • Hans-Dieter Arntz (a): „Jupp Weiss aus Flamersheim", in: JUDAICA - Juden in der Voreifel" Kümpel Verlag, Euskirchen 1983 S.434 - 446
  • Hans-Dieter Arntz (b): Jupp Weiss aus Flamersheim, der Judenälteste von Bergen-Belsen, online http://www.flamersheim.de/html/weissjosef.html


weblinks

Einzelnachweise

  1. Fast alle Angaben zu Josef Weiss verdanken sich Hans-Dieter Arntz, der mit den Söhnen gesprochen hat.
  2. In Köln betrieben die drei Onkel mütterlicherseits Moritz, Hermann und Heinrich Michel das gleichnamige Kaufhaus.
  3. Adressbuch Köln 1929
  4. "Verwandte schmuggelten seine Frau und die zwei Söhne über die Grenze in die Niederlande, ...". http://www.hans-dieter-arntz.de/unruemliche_helfer.html
  5. http://www.joodsmonument.nl/person/544035/en
  6. vgl. http://www.flamersheim.de/html/weissjosef.html
  7. http://www.joodsmonument.nl/person/544035/en; http://www.flamersheim.de/html/weissjosef.html
  8. "When in 1945 Bergen-Belsen was evacuated Erna Weiss-Falk died en route near the German town Tröbitz."
  9. "Mit dem 3. Transport verließ am 9. April 1945 auch die Familie Weiss das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Mit 300 kranken Ungarn zusammen umfaßte der Evakuierungs-Transport des Sternlagers etwa 2400 Personen. Eineinhalb Tage lang saßen die Leute auf dem Bahnsteig Bergen in den überfüllten Waggons. Dann erst setzte sich der Zug in der Nacht vom 10. zum 11. April in Bewegung. Als Zielstation wurde Theresienstadt angegeben, und man darf annehmen, daß diese Überführung auch wirklich beabsichtigt war. Inzwischen waren Jupp Weiss und seine Frau ernsthaft erkrankt. Beide litten an Fleckfieber und hatten mit dem anscheinend gesunden jüngsten Sohn Klaus-Albert den sehnlichsten Wunsch, den in den Niederlanden untergetauchten Sohn und Bruder Wolfgang wiederzusehen. Doch die Kräfte ließen nach. Der Zug geisterte durch das zerstörte Deutsche Reich und wurde häufig von Fliegern bombardiert. Nach zweiwöchiger abenteuerlicher Fahrt wurde er am 23. April 1945 bei dem Dorf Tröbitz in der Niederlausitz von den Russen befreit. 198 Menschen waren während der Fahrt an Fleckfieber oder Erschöpfung gestorben. Auch in den folgenden Wochen forderte das Fleckfieber noch zahlreiche Opfer. Zu diesen gehörte auch Erna Weiss, was den Lebenswillen von Jupp Weiss in nächster Zeit zu lähmen schien."Hans-Dieter Arntz (b)
  10. http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=6715626&language=en#!prettyPhoto[gallery2]/0/
  11. "Wahrscheinlich gibt es keinen anderen diesbezüglichen Bericht, der jüdisch-religiöses Leben so eindrucksvoll wiedergibt.", Hans-Dieter Arntz (b)

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