Emilie Düntzer

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Emilie Düntzer (* 13.08.1896 in Köln; † 1983 in Köln) war eine Kölner Gynäkologin und reichsweit bekannte Sportärztin. Ihr Spezialgebiet war die berufsschulärztliche Tätigkeit

Namensansetzung: Dr. Emilie Düntzer


Familie und Bildung

Emilie Düntzers Vorfahren stammten aus Köln, Aachen und Blankenheim, ihr Großvater war der bekannte Literaturhistoriker Prof. Dr. phil. Heinrich Düntzer (1813-1901), u. a. Goetheforscher, die Großmutter Adolfine Martin Tochter eines Kölner Gerbereibesitzers. Der Vater Arnold Düntzer (1857-1944) arbeitete als Rechtsanwalt in Köln, die Mutter Wilhelmine Welter (1865-1951) war eine Juristentochter aus Aachen.[1]

Bildung

Emilie hatte vier Geschwister, die beiden Brüder wurden Jurist, die Töchter durften ebenfalls studieren. Emilie wählte Medizin.[2], die jüngere Schwetser Wilhelmine Düntzer (1900-?, verh. Loevenich) promovierte 1924 in Köln im Fach Chemie.

Zuvor besuchten die Schwestern das Kölner Lyzeum Kuttenkeuler[3], danach die von der bürgerlichen Frauenbewegung um Mathilde von Mevissen gegründte Studienanstalt realgymnasialer Richtung[4] Nach ihrem Abitur 1916 studierte Emilie Düntzer Medizin an den Universitäten Bonn, Göttingen, München und Köln. Im Mai 1921 legte sie in Köln das Staatsexamen ab und arbeitete anschließend an der Medizinischen Klinik der Universität Köln (Augustahospital). 1921 promovierte Emilie Düntzer [5], die Approbation erfolgte ein Jahr später. In ihrer Dissertation bezog sie sich auf die Konstitutionstheorie und Theorie der Temperamente, wie der neue Leiter des Gesundheitsamtes, Carl Coerper, sie entwickelt hatte.

Erste Berufstätigkeit

Emilie Düntzer übte verschiedene Funktionen an auswärtigen und Kölner Krankenhäusern aus[6] und spezialisierte sich als Gynäkologin.

1925 bis 1928 war sie unter Heinrich Füth Stationsärztin an der ''Kölner Universitäts-Frauenklinik'', ab 1928 als Assistenzärztin, was damals für eine Frau noch ungewöhnlich war. [7] Nebenbei arbeitete sie als niedergelassene Ärztin (1926/27).

Spezialisierung auf Sportmedizin

Sie war selbst sportlich sehr aktiv, u.a. übte sie Rudern, Reiten und Skilanglauf aus. Emilie Düntzer interessierte sich schon früh auch theoretisch für den Frauensport und versuchte, tradierte Vorurteile zu widerlegen, welche Frauen der Weimarer Republik noch vom Sport fernhielten. Durch ihre wissenschaftlichen Studien wies sie nach, daß sportliche Betätigungen keinen negativen Einfluß auf die Geburt oder die Menstruation haben. Hierzu untersuchte sie 1928 zusammen mit einer Kollegin 1561 Sportlerinnen, die sich an dem großen Turnfest in Köln beteiligten. [8] Es folgte 1930 ebenfalls mit der Kölner Sportärztin Hellendall Einwirkungen der Leibesübungen auf die Menstruation. Die Theorien der beiden Spezialistinnen wurden international rezipiert.[9] Es folgte eine Monografie[10] und weitere Aufsätze.[11] Sie nahm auch an Tagungen der Sportärztinnen vom 03.09.1930-05.09.1930 teil mit dem Vortrag "Die körperliche Erziehung der Berufsschülerinnen" (Münch.Med.Wschr. 77 (1930), S. 250) 1950 wurde sie zur Medizinalrätin befördert.

Ärztin im kommunalen Gesundheitsamt

1930 wechselte ihr Schwerpunkt, nachdem sie als Schulärztin für Berufsschülerinnen im städtischen Gesundheitsamt angestellt war, später auch für Gymnasiastinnen. Nun publizierte sie zu den Folgen der Berufstätigkeit auf erwerbstätige junge Frauen.[12]

Josef Stralau schrieb über diese Tätigkeit später: <blockqute> Es gibt nicht viele Ärzte, die in solchem Maße Erfahrungen in der Untersuchung von gesunden Jugendlichen gewinnen konnten, wie das bei Medizinalrätin a.D. Dr. E. Düntzer der Fall gewesen ist. Seit 1928 hat sie als hauptamtliche Berufsschulärztin in Köln gewirkt und zehntausende erwebstätige weibliche Jugendliche untersucht und beraten. Sie hat diese Aufgabe geliebt und mit ihrem mütterlichen Herzen rasch den persönlichen Kontakt zu den jungen Menschen gefunden. Um bei den Jugendlichen Aufgeschlossenheit für gesundheitliche Fragen zu wecken und zu finden, hat sie die Klassenbesprechung eingeführt, die in jedem Fall der Einzeluntersuchung vorangeht. ... Dieses Verfahren hat sich bewährt und ist vom Präsidium des Deutschen Städtetages am 2. Juli 1955 den Gemeinden ausdrücklich empfoheln worden.Referenzfehler: Für ein <ref>-Tag fehlt ein schließendes </ref>-Tag. Als Ärztin der Stadt Köln unterlag sie bis 1951 dem sog. [Lehrerinnenzölibat], das es Frauen verbot bzw. erschwerte, im öffentlichen Dienst beschäftigt und zugleich verheiratet zu sein.

Sie wohnte z.B. 1929 zusammen mit ihren Eltern, Bruder Heinrich und Karl im familieneigenen Haus Klapperhof 47 nahe Friesenplatz.

Nationalsozialismus

Die Gesundheitsämter waren wichtige Schaltstellen zur Durchsetzung des Konzeptes der Volksgemeinschaft. Kaum jemand im Kölner Gesundheitsamt konnte sich den Vorgaben entziehen.[13] Auch die Kölner Ärztin veröffentlichte im Kontext des Volksgesundheitsdienstes.[14] Düntzer veröffentlichte ab 1933 unter den Rahmenbedingungen des Auslesestaates und in den Organen der gleichgeschalteten Verbände.[15] Anfang 1936 wurde das Gesundheitsamt so umstrukturiert, dass ihr Arbeitsbereich wechselte.

Nachkriegszeit

In den 1950er Jahren wandte sich Emilie Düntzer alten und neuen Themen zu, einerseits wieder dem Frauensport im Kontext des Schulsportes[16], andererseits der Sexualaufklärung.[17]. Ihr Hauptschwerpunkt lag ab 1953 jedoch allgemein auf der Gesundheit der jungen Arbeiterin.[18] Hierzu verfasste sie den berufsbiografischen Text Erfahrungen aus der Tätigkeit einer Berufsschulärztin : Gesundheit, Leistung und Leistungsfähigkeit bei weiblichen beruftätigen Jugendlichen[19]

Engagement und Ehrungen

  • Mitglied im Bund deutscher Ärztinnen (BdÄ)
  • 1950 wurde Emilie Düntzer zur Medizinalrätin ernannt. Das war für Frauen eine noch schwer zu erringende Position.[20]
  • September 1961 Dr. Fritz Ruhemann-Plakette des Deutschen Sportärztebundes auf dem 20. Deutschen Sportärztekongress in München, sie erhielt diese als erste Frau.[21]

Publikationen und Vortragstätigkeit

Emilie Düntzer hielt Vorträge auf Kongressen und machte Schulungen zum Thema Frauensport. Aine Auflistung von Einzelpublikationen befindet sich auf der Webseite der Berliner Charite [Ärztinnen im Kaiserreich].

Literatur über Emilie Düntzer

  • Reichsmedzinalkalender 1928, 1929, 1931, 1933, 1935, 1937.
  • Robert Steimel: Mit Köln versippt, II, Tafel 258, o.J. ca. 1956.
  • Gabi Langen (Hrsg.): Vom Handstand in den Ehestand : Frauensport im Rheinland bis 1945. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Deutschen Sportmuseums, Köln: Emons 1997.
  • Stoffels: Medizinalrätin Dr. Düntzer, 65 Jahre alt, in: Öffentlicher Gesundheitsdient 23, 1961, S. 515 - 516.

Einzelnachweise

  1. vgl. Robert Steimel: Mit Köln versippt, II, Tafel 258, o.J. ca. 1956. Emilie Düntzer hat diese Angaben selbst an den Kölner Genealogen Robert Steimel vermittelt, vgl. S. 251.
  2. Zur Biografie vgl. die Seite des Projektes Ärztinnen im Kaiserreich, http://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00876
  3. vgl. zur Schulgeschichte: 75 Jahre der Schule Le Duc - Haass - Brors - Surmann und Kuttenkeuler, jetzt Katholisches Lyzeum und Gymnasiale Studienanstalt St. Gereon 1855 - 1930, Köln (?) 1930
  4. vgl. Elisabeth Amling: "Unverkürzte humanistische Gymnasialbildung auch für die Frauen." Der Kölner Verein Mädchengymnasium, in: Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, Münster, 1995, S. 37-47.
  5. Über einen Fall von Aortitis ulcerosa mit Bildung eines mycotischen Aneurysmus; aus dem Pathologischen Institut der Universität Köln; Prof. Dr. A. Dietrich, Köln 1921, Maschinenschr. 29 Bl. - Ein Exzerpt ist abgedruckt in: Gesammelte Auszüge der Dissertationen an der Medizinischen Fakultät der Universität Köln, 3. Dekanatsjahr 1921/22, Teil 1: Auszüge der ärztlichen Dissertationen, 1922, S. 1, Abdruck in Virchow Arch. path.Anat. 241 (1923), S. 25.
  6. 1922-24 Innere und Säuglingsstation am Elisabeth-Krankenhaus Aachen; 1924-25 Chirurgische Privat-Klinik Krecke München
  7. Sie veröffentlichte in dieser Zeit u.a. Symphysenrupturen unter der Geburt, in: Archiv für Gynäkologie, Vol. 133, Nr. 1 (1928), S. 159-168; Hat die Vernix caseosa Bedeutung für die Verhütung des Neugeborenenikterus?, in: Zbl. f. Gyn., 1928, S. 2943-2944
  8. Emilie Düntzer und Martha Hellendall: Einwirkungen der Leibesübungen auf weibliche Konstitution, Geburt und Menstruation. Untersuchungsergebnisse, gewonnen an über 1500 Wettkämpferinnen des 14. Deutschen Turnfestes, in: Münchener medizinische Wochenschrift, 71, 1929, H. 44, S. 1835 ff. Wiederabdruck in: Frau und Sport, Frankfurt am Main, Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1980, S. 117–119. Hellendahl hatte (zuvor?) bereits veröffentlicht: Das 14. Deutsche Turnfest in Köln a. Rh., in: Monatsschrift Deutscher Ärztinnen 4 (1928), S. 186f.; es folgte: Hellendall: Einwirkung der Leibesübung auf weibliche Konstitution, Geburt und Menstruation, in Münchener medizinische Wochenschrift, 1929, S. 1895. Vgl. Gertrud Pfister: The Medical Discourse on Female Physical Culture in Germany in the 19th and Early 20th Centuries, in: Journal of Sport History, Vol. 17, Summer 1990, No. 2 S. 71-74; vgl. Gabi Langen (Hrsg.): Vom Handstand in den Ehestand : Frauensport im Rheinland bis 1945. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Deutschen Sportmuseums, Köln: Emons 1997; vgl. Bettina Bab/Katharina Regenbrecht: Rheintöchter, Schifferinnen, Badenixen und Kindsmörderinnen. Kölner Frauenleben am Rhein, hrsg. von Kölner Frauengeschichtsverein, Köln: Emons, 1999 S. 38
  9. The Journal of Health and Physical Education, Vol. 1, 1930 Issue 9 online: http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/23267240.1930.10623915
  10. Leibesübungen und Menstruation, Stuttgart 1930, auch in Zentralblatt für Gynäkologie 1930, 1 S. 29 - 35.
  11. Einwirkungen der Leibesübungen auf die Menstruation, in: Zbl. f. Gyn. 1930, Nr. 1; sowie Leibesübungen und Menstruation, in: Archiv für Gynäkologie, 144, Dez 1931, H. 1, S. 590-592
  12. Einwirkung des Berufes auf Weibliche Jugendliche. Ein Beitrag zur ärztlichen Berufsberatung, in: Klinische Wochenschrift, Vol. 9, 1930, H. 51, S. 2407-2410; Ärztliche Berufsberatung und gesundheitliche Berufswirkung, in: Die Ärztin, Jg. 6, 1930, H. 1, S. 1-6; Die gesundheitliche und soziale Lage der erwerbstätigen weiblichen Jugend. Erfahrungen aus der Praxis der Berufsschulärztin, Berlin 1933 = Veröffentlichungen aus dem Gebiete der Medizinalverwaltung; 40,6 = H. 355
  13. vgl. Klaus Schmidt: Das gefährdete Leben. Der Kölner Arzt und Gesundheitspolitiker Franz Vonessen (1892 - 1970), Köln: Greven 2004.
  14. vgl. http://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00876
  15. Gesundheitsfürsorge für die erwerbstätige weibliche Jugend, in: Zeitschrift der Reichsfachschule deutscher Hebammen 1935; Leistung und Leistungsfähigkeit bei weiblichen erwerbstätigen Jugendlichen. Aus der Tätigkeit der Aerztin an Berufs- und höheren Schulen. Aus dem Kommunalen Gesundheitsamt Köln, Berlin: Schoetz 1937 = Veröffentlichungen aus dem Gebiete des Volksgesundheitsdienstes, 48,1 = H. 420; Das kaufmännische Lehrmädchen in Lebensmittelgeschäften, in: Die Ärztin 13, 1937, S. 35-40; Aus der Praxis der ärztlichen Berufsberatung, in: Die Ärztin 14, 1938, S 4-7; Wege der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Berufsberatung, Arbeitseinsatz u. Arbeitslosenhilfe, 1942 (prüfen); Sport und Menstruation, in: Med. Klinik 1942, Nr.3 (prüfen).
  16. Die sportärztliche Beratung der erwerbstätigen weiblichen Jugend, in: Leibesüb.-Sportarzt-Erzieh., 1950, H.6/7
  17. Zur Frage der sexualhygienischen Belehrung der weiblichen Berufsschuljugend und Lehrpersonen, in: Öffentlicher Gesundheitsdienst, 13, 1951, H.4; Gefährliches Schweigen. Müttervorträge über die sexualhygienische und pädagogische Belehrung der Jugend, in: Gesundheitsfürsorge, Jg. 2, 1952, H. 1; Was leistet das Schauspiel für die sexualhygienische und pädagogische Belehrung der Berufsschuljugend?, in: Die berufsbildende Schule, 1952 H. 6; Aus der Praxis der sexualhygienischen Belehrung an Mädchen-Berufsschulen, in: Zbl.Gynäk., 1955 H. 13
  18. Die Gesundheit der erwerbstätigen weiblichen Jugendlichen - Erfahrungen und Forderungen, in: Soziale Arbeit, 1953 H.7; Ergebnisse der berufsschulärztlichen Untersuchungen und die berufliche Belastung der erwerbstätigen weiblichen Jugend, in: Öffentlicher Gesundheitsdienst 17, 1955, S. 148; Die berufsschulärztliche Betreuung der erwerbstätigen Jugend, in: Gesundheitsfürsorge, Jg. 5, 1956, 174; Schulgesundheitliche Fragen im Berufsschulalter, in: Gesundes Schulleben, 1957, 71; Der Gesundheitszustand der jugendlichen Arbeiterin im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Belastung, in: Die berufsbild. Schule 1959 H.1
  19. Stuttgart: Thieme, = Schriftenreihe aus dem Gebiete des öffentlichen Gesundheitswesens, 17
  20. http://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00876
  21. http://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00876


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