Elisabeth von Mumm zu Schwarzenstein

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Elisabeth Johanna Maria von Mumm von Schwarzenstein (*27. März 1860 in Köln; † 30. März 1933 (?) in Köln[1]) war eine der beiden ersten Waisenrätinnen der Stadt Köln und bürgerliche Frauenrechtlerin mit dem Schwerpunkt Frauenberufsarbeit


Biografie

Elisabeth Mumm, so der ursprüngliche Name, stammt mütterlicherseits aus der Kölner Parfümfamilie Farina, ihre Mutter Maria Margaretha Huberta Farina heiratete 1865 Christian Friedrich August Mumm aus einer Dynastie von Champagner-Kellereien und Weinhändlern. Die aus Höhscheid bei Solingen stammende Familie Mumm hatte zunächst Klingen und Schwerter hergestellt, ist aber seit 1761 (Peter Arnold Mumm) in Köln mit Weinhandel und Geldgeschäften aktenkundig.[2] Seit dem 18. Jahrhundert hatte ein Familienzweig seinen Sitz in Köln, ein anderer in Frankfurt am Main. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren Jean Marie Farina, der Initiator des Markenschutzes für das hauseigene Eau de Cologne (1809–1880)[3] und Marie Josephine Petronella DuMont (1812–1870).[4] Die Großeltern väterlicherseits waren Johann Wilhelm Mumm, Teilhaber des Frankfurter Bankhauses Wilhelm Mumm & Co.[5] und Margaretha Friederica Koch. Beide starben in ihren Dreißigern, die fünf Kinder wurden früh Waisen. Elisabeth lernte diese Großeltern nie kennen.

Der Vater zog im Jahr der Eheschließung aus Frankfurt nach Köln und wurde Chef des Großhandelshauses P. A. Mumm. Er war Protestant, die italienischstämmigen Farinas katholisch - es handelte sich demnach um eine Mischehe, was damals sehr ungewöhnlich war.[6] Als Elisabeth 13 Jahre alt war, wurde die Familie Mumm in den preußischen Adelsstand erhoben und erhielt den Zusatz „von Schwarzenstein[7], 1896 erhielten sie „für ihre Verdienste um die besten Weine des Rheingaus“ die Freiherrenwürde zuerkannt. [8]

Über die Mutter ist wenig bekannt, sie starb, als Elisabeth ca. 19 Jahre alt war[9], ebenso wenig wissen wir über Kindheit, Jugend und Erziehung des adeligen Fräuleins. Elisabeth wuchs mit drei Geschwistern auf: den beiden Brüdern Otto Hugo[10] und Peter Ewald Alexander[11] sowie der Schwester Ottilia Henriette Josephine[12]. Letztere heiratete in die berühmte Kölner Familie Schnitzler ein. Über den Schwager Dr. (Julius Eduard) Richard von Schnitzler[13] war sie mit deren Tochter Edith von Schröderverwandt(Nichte).

Der Wohnort der großen Familie lag zunächst in der St. Apern Straße 75, - das Haus des Vaters fungierte auch als Firmensitz. Damit wohnte sie in direkter Nachbarschaft zu ihrer Lebens- und Arbeitsfreundin Mathilde von Mevissen, die in der Zeughausstrasse lebte. Inwieweit die Lebensfreundschaft mit Mathilde von Mevissen - beide waren in fast allen wichtigen Frauenvereinen gemeinsam aktiv - eine Arbeitsfreundschaft war, die sich aus kontinuierlichem Einsatz für die Sache der Frauen ergab, oder ob umgekehrt das gemeinsame Engagement aus tieferen Neigungen zueinander erwuchs, ist nicht mehr feststellbar. Beide können, wie ihre folgenden Aktivitäten zeigen, dem liberalen Bürgertum zugerechnet werden. Die Adresse St. Apernstrasse galt auch für einige Zeit als Anlaufadresse für politische Frauenaktivitäten, etwa 1903 für den Allgemeinen Deutschen Frauenverein. Kurz nach der Jahrhundertwende, nachdem ihr Vater verstorben war, zog sie in das Haus der mütterlichen Erben, das Haus Farina, Obenmarspforten 21-23 Ecke Unter Goldschmied, wo sie im 2. Stock - vermutlich mit DienstbotInnen – lebte.


Professionalisierung der Waisenarbeit

Der ‚weibliche’ Teil ihrer wohlhabenden Familie widmete sich traditionell der Wohlfahrtspflege im Kontext der Evangelischen Gemeinde. Laut Barbara Becker-Jákli plante z.B. eine Frau E[lias ?] Mumm in den 1820er Jahren eine Kölner Organisation für Waisenkinder mit Erziehungshaus für verwaiste evangelische Kinder, als dies nicht unterstützt wurde unterstützte sie die Gründung einer Armenfreischule.[14] Auch Frl. von Mumm wünschete eine Verbesserung der Lebensmöglichkeiten von verwaisten Kindern. Der Allgemeine Deutsche Frauenverband, Ortsgruppe Köln (ADF), dem sie angehörte, forderte seit seinem Bestehen 1903 die Zulassung von Frauen zum ‚Ehrenamt’ für Waisen, bei dem es u.a. galt, die Familien auszuwählen, die Waisenkinder betreuen durften.

Als eine von zwei Frauen wurde Elisabeth von Muimm 1905 oder 1906 vom Stadtrat ausgewählt, unbezahlt als Waisenrätin tätig zu sein.[15] Schon bald darauf stellte der hegemonial männlich besetzte Stadtrat erstmals vbezahlte Waisenpflegerinnen ein.

„In diesem kommunalen Engagement [des ADF, die Verf.] sahen viele Frauen eine große Chance, sich durch getreue Pflichterfüllung in Stadt und Gemeinde unentbehrlich zu machen …“, urteilt die Kölner Historikerin Amling.[16] Auch Elisabeth von Mumm forderte nach einiger Zeit das Frauenwahlrecht, eine logische Konsequenz.


Einsatz für die Qualifizierung von Mädchen

In der Destillationsfabrik im Hause Farina gingen zahlreiche junge Frauen täglich zur Arbeit, sei es als Kontoristin, Etikettiererin, Packerin oder Spülerin. Der Kaufmannstochter aber war jede Arbeit verwehrt. Als ledige, vielleicht gelangweilte, vielleicht aber auch politischer denkende Pensionärin ("Rentnerin") mit großzügigen Bezügen aus dem Familieneinkommen widmete sich die Kölnerin ab ihren dreißiger Jahren der ‚wirtschaftlichen Seite’ der Frauenfrage und hier vor allem der Frauenarbeit. Damit agierte sie wesentlich politischer als ihre Vorfahrinnen.

Ihr Interesse galt primär der qualifizierten Berufstätigkeit und der angemessenen Bezahlung von Frauen. 1895 gründete die Erbin zusammen mit Mathilde von Mevissen, dem Oberlandesgerichtspräsidenten Hamm, Ernst Leyendecker u.a. den Kölner Frauenfortbildungsverein (KFFV).[17] Er wurde einer der grössten Frauenbildungs- und Erwerbsvereine für Frauen im Deutschen Kaiserreich.

Als erster Verein der bürgerlichen Frauenbewegung musste er noch viele Konzessionen an das Rollenverständnis machen.[18] Darin engaierte sich Elisabeth von Mumm weniger. Sie machte konkrete Vorschläge zur Veränderung der lebenssituation von bürgerlichen Mädchen. Es gründet sich "auf ihre Anregung und dank ihres tatkräftigen Vorgehens" eine private (zunächst) interkonfessionelle Kaufmännische Fortbildungsschule für Mädchen am Rothgerberbach. Diese bereitete auf 'untergeordnete Arbeitsfelder' vor.[19] das Institut wurde Ostern 1895 im Gebäude einer städtischen Mittleren Mädchenschule eröffnet, was einen gewissen Einfluss der gründenden HonoratiorInnen spiegelt.

1906 eröffnete der Kölner Frauenfortbildungsverein des weiteren zusammen mit dem Vaterländischen Frauenverein eine Koch- und Haushaltungsschule in der Severinsmühlengasse 2, die sich explizit an Hausarbeits-unkundige Mittelschichtsmädchen wandte.

Elisabeth von Mumm trug schließlich 1907 im Kölner Frauenfortbildungsverein dazu bei, dass eine dritte Ausbildungsstätte des Vereins, die Hauswirtschaftliche Fortbildungsschule entstand[20], die sich wieder stärker der beruflichen Qualifikation zuwandte. Sie wollte darin Alternativen zur schlecht bezahlten Fabrikarbeit aufzeigen und ermöglichen.

Fortbildung für 'weibliche' Angestellte

1897 erfolgte die Gründung des Cölner Verein weiblicher Angestellter (CVWA) durch Elisabeth von Mumm und Ernst Leyendecker. In Berlin hatte sich bereits 1889 ein solcher Verein gegründet.[21]

Die Professorengattin Marie Sophie Moritz erinnert sich:
„Sie hatte den Verein weiblicher Angestellten gegründet, der in den ersten Jahren in engen Räumlichkeiten in der Altstadt tagte. Ziel des Vereins war, die allein stehenden angestellten Frauen, damals meist in schlecht bezahlten, niederen Stellungen, in einer Gemeinschaft zusammenzufassen, ihre Lebensumstände, Nöte und Wünsche kennen zu lernen, man kann nicht sagen, ihre Rechte zu verteidigen, denn die waren damals noch nicht anerkannt, sondern für sie erst Recht und Gesetz zu schaffen.“[22]
Nach dem Tod Leyendeckers im Jahre 1902 leitete sie für viele Jahre diesen Frauenberufsverband.

Von Mumm forcierte den Anschluss des Vereins an den Rhein-Westfälischen Frauenverband und den Bund Deutscher Frauenvereine, ordnete ihn also politisch wie organisatorisch der Frauenbewegung zu. In seiner Form jedoch entsprach er eher dem, was wie heute unter dem Begriff des Rundes Tisches kennen: In seinem Vorstand und seinen Mitgliedern saßen Ehefrauen von Honoratioren und Stadtpolitiker sowie Arbeitgeber wie auch Vertreterinnen von Angestelltenseite selbst. Die Interessenallianz hatte ihren Hintergrund in der unzureichenden Qualifizierung weiblicher Angestellter, die sich auch nachträglich für die Unternehmen auswirkten – insbesondere die Arbeit von Frauen in Schreibkontors bedurfte einer Fortbildungspraxis, wie auch des offenkundigen sozialen Problems zahlreicher Frauen, die zu absoluten Niedriglöhnen männlicher Beschäftigung Konkurrenz machten. Vorangetrieben von frauenbewegten Frauen gingen die Ziele des Vereins jedoch darüber hinaus, er sollte sowohl der wirtschaftlichen wie aber auch der rechtlichen Benachteiligung von Frauen entgegenwirken. Mit Petitionskampagnen setzte man sich für gleichen Lohn bei gleicher Leistung männlicher und weiblicher Angestellter sowie für eine Gleichbehandlung bei den Pensionsversicherungen ein.“[23]

Bald konnte ein Vereinshaus in der ringnahen Straße Im Klapperhof 26-28 bzw. bis 30 gekauft (?) werden, bei dem zahlreiche Beratungsinstanzen angesiedelt wurden: Stellenvermittlung, Krankenkasse, Hilfs- und Darlehenskasse sowie eine Auskunfts- und Beratungsstelle in Frauenberufsfragen. Auch legte Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten e.V. seine Verbandsräume hierher.[24] Auch die Handelsschule für Mädchen mit Übungskontor, in dessen Kuratorium Frl. Elisabeth von Mumm den Vorsitz hatte, zog hier ein (Nr. 28–30).[25] Die Kölner Höhere Handelsschule war die erste in ganz Preußen, 1933 hatte die Schule neun Klassen mit ca. 270 Schülerinnen.

Elisabeth von Mumm konnte damit ihren Wunsch nach qualifizierter Ausbildung von Mädchen ein Stück weit realisiert sehen: Absolventinnen der Schule konnten es bis zur Handelsschullehrerin bringen.[26]

Frauenrechtlerische und kulturelle Aktivitäten im 20. Jahrhundert

Desweiteren trat Elisabeth von Mumm folgenden Vereinigungen bei oder gründete sie mit:

  • Westdeutscher Verband für Frauenstimmrecht - Ortsgruppe Köln. Dort gehörte sie nicht zu den Radikalen: Sie forderte ein Wahlrecht in der Fassung, wie die Männer es besaßen, also auf der Basis des preußischen Dreiklassenrechts, nicht ein Wahlrecht für alle Männer und Frauen. Als aktives Mitglied in einem Frauenwahlrechtsverein wirkte sie dennoch ein kleines Stück daran mit, dass Frauen 1918 das Wahlrecht zugesprochen bekamen.
  • Allgemeiner Deutscher Frauenverein: Im ADF war sie für die politische Aufklärung der Frauen tätig.
  • Kölner Frauenrechtsschutzverein: Diese Beratungsstelle bot Frauen Beistand in Mietrechts-, Eherechts- und Arbeitsrechtfragen an, - eine solche direkte Unterstützung war ein völlig neues Konzept, das bald auch von der Stadt Köln aufgegriffen wurde (Städtische Rechtsauskunftsstelle).
  • Wöchnerinnenverein: Sie betreute zeitweilig die Mitarbeiterinnen im Wöchnerinnenverein
  • Verein Mädchengymnasium: Die Initiative ihrer Freundin Mathilde von Mevissen diente der Schaffung des ersten Preußischen Mädchengymnasiums im Jahre 1905; ab 1909 wurde er als Verein Frauenstudium fortgeführt, in dem Elisabeth von Mumm ebenfalls aktiv war. U.a. beteiligte sie sich an der Vergabe von Stipendien und der Geselligkeit beim Tee von Mäzeninnen und Studentinnen.
  • Kölner Frauen-Klub: diese Vereinigung begüterter Frauen ermöglichte ledigen Frauen, standesgemäß auszugehen und Geselligkeit zu pflegen, die Klubräume dienten zur Abhaltung kultureller Veranstaltungen, bot Vorträge, Zeitungslektüren, Übernachtungsmöglichkeiten sowie Feiern.
  • Nationale Frauengemeinschaft: In den Jahren des Ersten Weltkriegs stabilisierte sie mit Geld und Taten die sog. “Heimatfront der Frauen”, indem sie in der NFG mitarbeitete und zu einem halbwegs geordneten Leben in Köln und zur Unterstützung armer “Kriegerfrauen” beitrug. Damit verlängerten die Frauen jedoch den Krieg. Hier hatte sie vermutlich erstmals Kontakte mit Sozialdemokratinnen wier Marie Juchacz.
  • Überregional war Frl. von Mumm z.B. Mitfrau in der reichsweiten Kommission für weibliche Angestellte des BDF.


Wirken und Ehrung

Anders als Mathilde von Mevissen kümmerte sich Elisabeth von Mumm schwerpunktmäßig nicht um die Frauen der eigenen Klasse, sondern um die nicht ausgebildeten Mädchen des (Klein-)Bürgertums, der Mittelschicht, und damit – wie es damals hieß - der “wirtschaftlichen Seite der Frauenfrage”.

1903 dankten die frauenbewegten bürgerlichen Frauen Elisabeth von Mumm für ihren Beitrag zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Ortsgruppe Köln und die Durchführung einer reichsweiten Tagung 1903 in Köln:

"Der Verlauf der jüngsten Tagung des Allgemeinen deutschen Frauenvereins bedeutet einen großen Erfolg nicht nur für die Frauenbewegung selbst, sondern auch für unsere Stadt, für die in ihr lebenden und für diese Sache eintretenden Frauen. Mit freudiger Genugtuung blicken sie auf dieses bedeutungsvolle Gelingen zurück, aber auch mit herzlicher Dankbarkeit. Die Frauen Kölns wissen, daß dieser Erfolg ohne Sie, hochverehrtes Fräulein ELISABETH V. MUMM, nicht möglich gewesen wäre. Sie denken hierbei nicht an nur an Ihre rastlose und umsichtige Tätigkeit in dem den Empfang vorbereitenden Ortsausschuß, sondern weit mehr an die langjährige, mutige Führung auf der neuen, HIER bis dahin unbeschrittenen Bahn, die Sie zusammen mit Fräulein Mathilde von Mevissen übernommen haben. Zu dieser Aufgabe brachten Sie mit eine seltene Pflichttreue und Sachlichkeit und jenes selbstlose Aufgehen im Ganzen, das die Grundlage jeder erfolgreichen gemeinsamen Arbeit bildet. In den Stätten Ihres Wirkens, dem Kölner Frauenfortbildungsverein, der Kaufmännischen Schule für Mädchen, dem Kölner Verein für weibliche Angestellte, der höheren Handelsschule für Mädchen, offenbaren sich deutlich die Ziele, die Sie sich gesteckt haben. Nicht durch Werke der Wohltätigkeit wollen Sie der Frau im Kampfe ums Dasein beistehen, sondern sie durch Ausrüstung mit gründlichen Fachkenntnissen befähigen, diesen Kampf selbständig zu führen. Die zahlreichen Frauenvereine, die Ihrer Anregung und sachkundigen, längst als unentbehrlich erkannten Mitarbeit ihre Gründung verdanken, sind ebenso viele Denkmäler jenes Geistes, mit dem Sie die Frauenbestrebungen in unserer Stadt durchdrungen haben. Namens aller derjenigen Frauen, die von diesen Empfindungen erfüllt sind, nahen sich die Unterzeichneten Ihnen heute, um ihren aufrichtigen Gefühlen der Bewunderung und des Dankes für Sie, hochverehrtes Fräulein, Ausdruck zu verleihen und Sie zu bitten, dieses Schriftstück, welches dem Ausdruck ihrer Gefühle eine dauernde Gestalt verleihen soll, gütig entgegenzunehmen. KÖLN, den 12. Oktober 1903.[27]


Der Stadtanzeiger schrieb 1930 zu ihrem 70. Geburtstag:

"Eine der verdienstvollsten Bürgerinnen Kölns, Fräulein Elisabeth von Mumm, begeht am 27. März ihren 70. Geburtstag. Es ist Pflicht und Freude zugleich, an diesem Tage die reiche und fruchtbare Arbeit, die sie in treuer Hingabe auf vielen Gebieten geleistet hat, ihren Mitbürgern ins Gedächtnis zu rufen. - Mit Mathilde von Mevissen Hand in Hand arbeitend, gründete Fräulein von Mumm den Kölner Frauenfortbildungsverein. Auf ihre Anregung hin und dank ihres tatkräftigen Vorgehens entstand 1895 die Fortbildungsschule für Mädchen am Rotgerberbach. Ihre innigste Teilnahme aber galt den berufstätigen Frauen, und ihr bedeutendstes Werk war die zusammen mit Ernst Leyendecker unternommene Schaffung des Kölner Vereins weiblicher Angestellter E.V. Der Verein schloß sich später an die verbündeten kaufmännischen Vereine, Sitz Kassel, an, um sich 1919 mit dem andern weibl. Verband zum Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten E.V., Berlin, zu verschmelzen. Da viele der bisherigen Aufgaben von der großen Berufsorganisation übernommen wurden, widmete der Kölner Stammverein sich von nun an lediglich ideellen und Wohlfahrtsbestrebungen. Auf diesem Gebiet hat er unter Leitung von Fräulein von Mumm, die nach Ernst Leyendeckers Tod Erste Vorsitzende wurde, auch weiterhin überaus segensreich gewirkt. Der Tatkraft der Vorsitzenden ist die Gründung eines Heims für weibl. Angestellte, einer Krankenkasse (1901), der Hilfs- und Darlehenskasse (1903) sowie der Auskunfts- und Beratungsstelle in Frauenberufsfragen zu danken. Diese Einrichtungen fanden bald ein Wirkungsgebiet, das weit über die Grenzen Kölns hinausging. Der Kölner Verein weiblicher Angestellter liebt und verehrt in Fräulein von Mumm eine warmherzige Mutter und treue Beraterin, deren Interesse für die körperliche und geistige Ertüchtigung, Pflege und Fortbildung der Mitglieder niemals erlahmte.

Eine andere Gründung Fräulein von Mumms ist die Höhere Handelsschule für Mädchen, die 1900 entstand und 1920 von der Stadt Köln übernommen wurde. - Auch der Allgemeine Deutsche Frauenverein erfreute sich ihrer tätigen Mitarbeit, als seine Kölner Ortsgruppe zusammentrat.

Als Waisenpflegerin (sic) und Vertrauensfrau ist Fräulein von Mumm im Laufe langer Jahre vielen eine immer bereite, verständnis- und liebevolle Helferin gewesen. Der Raum verbietet es, hier auf alle Gebiete einzugehen, auf denen sie ihre reiche Erfahrung und ihren freudigen Arbeitswillen zum Wohle ihrer Mitmenschen betätigt und opferwillig Zeit und Kräfte eingesetzt hat. Groß ist die Zahl derer, die ihr zur Vollendung des 70. Lebensjahres aus dankbarem Herzen warme und aufrichtige Glückwünsche darbringen."[28]


Marie Sophie Moritz erinnerte sich gerne an Elisabeth von Mumm:

„Unter den führenden Frauen von Köln wirkte die stille und doch so zielbewusste Arbeit von Fräulein Elisabeth von Mumm besonders segensvoll. … Elisabeth von Mumm unternahm die Pionierarbeit für menschenwürdige Lebensbedingungen für eine grosse Klasse von Berufs-Frauen, zu kämpfen.[29]

Ein zunächst wohlwollend aufgenommener Vorschlag des Kölner Frauengeschichtsvereins, ein Berufskolleg nach ihr zu benennen, wurde später mit dem Hinweis auf die Nähe zum Alkohol im Namen abgelehnt.


Das Familiengrab der Familie von Mumm war früher auf dem Friedhof Melaten in relativer Nähe zu dem der Freundin Mathilde von Mevissen zu finden, es existiert jedoch nicht mehr.

Archivalien

  • HAStK Bestand Mädchengymnasium
  • HAStK Bestand Stadtverband Kölner Frauenverbände
  • Nachlass Moritz: Manuskript. Kapitel Soziale Arbeit, Einfügung zu S. 88 – Teilkopie im Kölner Frauengeschichtsverein, Einzelfrauenordner
  • Kölner Frauengeschichtsverein: Dossiers zu den erwähnten Vereinen, Manuskript B. Krämer


Literatur

  • Anton Fahne: Denkmale und Ahnentafeln des Geschlechts Mumm oder Momme. Verlag Heberle, Köln 1876–80 (3 Bände). Fehlerhaft?[30]
  • A. Weyersberg: Der Solinger Bürgermeister Peter Mumm u. seine Familie, in: Mschr. d. Berg. Gesch.ver. 16-25, 1909-18 (nicht eingesehen)
  • Albert Weyersberg: Solinger Schwertschmiede des 16. und 17. Jahrhunderts und ihre Erzeugnisse, 1926 (nicht eingesehen)
  • Albert Weyersberg: "Mumm, von Mumm" , in: "Die Heimat", 1928 (nicht eingesehen)
  • Wilhelm Tiltmann: Die Entwicklung des gewerblichen Fachschulwesens im Rheinlande. Köln, Universität, Wirtschafts- u. Sozialwissenschaftliche Fakultaet, Dissertation, [1924], S. 191 (nicht eingesehen)
  • Richard Wilms: Bergische Heimatblätter 19/1929 S. 23 (nicht eingesehen)
  • NN. Elisabeth von Mumm. In: Stadtanzeiger, 26.3.1930 [70 Jahre]
  • Deutsches Biographisches Archiv (DBA) zur Familie Mumm
  • Robert Steimel: Kölner Köpfe. - Köln: Steimel, 1958 (falsches Todesjahr)
  • Robert Steimel: Mit Köln versippt I, Steimel Verlag Köln-Zollstock 1955, Tafel 48
  • Dietrich Taubert: Farina, Johann Maria. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, S. 25 (Digitalisat online).
  • Becker-Jakli: Die Protestanten in Köln, Köln 1983
  • Horst Scharfenberg: Sekt. Perlendes Deutschland. Hallwag, Bern u. Stuttgart 1993
  • Elisabeth Amling: „Bessere Verantwortung und größeres Verantwortungsgefühl“. Die Ortsgruppe Köln des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, in: Kölner Frauengeschichtsverein (Hrsg.) Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, Münster, 1995, S.64-71
  • Elisabeth Amling: ‚Wir wollen vor allen Dingen helfen, wo das weibliche Wesen nicht heiraten kann’. Der Kölner Frauenfortbildungsverein, in: Kölner Frauengeschichtsverein (Hrsg.) Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, S. 27-36
  • Elisabeth Amling: ‚Zum gegenseitigen Schutz gegen die Härten, Gefahren und Kämpfe des Lebens’. Der Cölner Verein weiblicher Angestellter, in: Kölner Frauengeschichtsverein (Hrsg.) Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, Münster, 1995, S. 97-105
  • Lerner, Franz, "Mumm" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 579 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn139789510.html
  • Bhil: Elisabeth von Mumm, in: Ulrich S. Soénius, Jürgen Wilhelm: "Kölner Personen Lexikon" 2008, Greven Verlag Köln, S. 386 (mit falschen Sterbejahr); So zu Jean Marie Farina, S. 149.

weblinks


Einzelnachweise

  1. Das in Steimel angegebene Todesjahr 1923 ist falsch.
  2. Der Name Moum, auch Mom, Mohm war um Solingen stark verbreitet, vgl. http://www.zeitspurensuche.de/02/nam1mum.htm
  3. Er meldete als erster Kölnisch-Wasser-Unternehmer die Etiketten des Produktes „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz“ als Warenzeichen zur Registrierung an, vgl. Taubert, Dietrich, "Johann Maria" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 25 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn117737011.html
  4. Diese brachte neben Elisabeths Mutter acht weitere Kinder auf die Welt, hier hatte Elisabeth eine große Verwandtschaft.
  5. Vgl. Hessische Biografie http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/5507 (Stand: 11.3.2010)
  6. Es lebten zu der Zeit in Köln immer noch evangelische Mitglieder der Bergischen Familie Mumm, die zu den reichsten protestantischen BürgerInnen der Stadt gehörten. 1810 hat ein E[lias ?] Mumm, Weinhändler, 1 Mio Fr. an Kapital besessen, musste 60 Tsd. Fr. Steuern entrichten. Er handelte u.a. mit Französischen Firmen, vermutlich der Reimser Champagnerniederlassung der Verwandten. Fred und Charles Mumm betrieben eine Kolonialwarenfirma, sie besaßen immerhin 9000 Fr.; Jaques und Philipp-Fred Mumm „handelten als Inhaber der Firma Peter Arnold Mumm mit Wein". Ihr Kapital betrug 1810 600000 Fr. und sie zahlten 36 Tsd Fr. Steuern. Vgl. Becker-Jakli: Die Protestanten in Köln, Köln 1983, S. 147 u.a.
  7. Königl. preußische Adelsbrief für die Nachkommen des 1797 zu Solingen verstorbenen Handelsherrn Peter Arnold Mumm, vgl. Kölnische Zeitung vom 10. Juni 1873. Vgl. Gothaische Geneal. Taschenbücher usw. Falsch ist wohl die wiederholt zu findende Aussage: “Erster Träger war Gottlieb Mumm“, denn dieser verstarb bereits 1852. Vielmehr erfolgte 1873 die Erhebung zweier Verwandter in den Adelsstand: des Chefs des Großhandelshauses J. G. Hermann Mumm und Kgl. dänischen Konsuls sowie seines Neffen, des Oberbürgermeisters von Frankfurt am Main, Heinrich Mumm. Vgl. http://www.zeitspurensuche.de/02/nam1mum.htm. Vgl. http://www.lagis-hessen.de/pnd/117181323. Die erst daraufhin errichtete Burg Schwarzenstein bei Geisenheim wurde in historistischer Manier als artifizielle Ruine einer Höhenburg errichtet (Bauherr: Hermann von Mumm). Heute befindet sich dort ein höherpreisiges Hotel der Gruppe Relais & Châteaux.
  8. vgl. Vaupel ebenda. Der Familie entstammten auch männliche Lokalpolitiker, Bankiers, Widerstandskämpfer und Diplomaten.
  9. Während ihrer Mutter als ältestem Kind (bzw. deren Mann) anscheinend das Erbe Farina zugestanden worden war, wurde der ledigen Elisabeth, ebenfalls ältestes Kind, das 'Regiment' in der Kölner Firma Mumm verwehrt.
  10. 1862–1929, ∞ Mathilde Eugenie, 1865–1929
  11. 1863–1927, vermutlich ledig geblieben
  12. 1867-1939
  13. 1855-1938
  14. Vgl. Becker-Jákli, s.o., S. 226 ff, 220.
  15. Die andere Dame war Frl. von Carnap/Karnap aus dem katholischen Spektrum.
  16. Elisabeth Amling: „Bessere Verantwortung und größeres Verantwortungsgefühl“. Die Ortsgruppe Köln des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, in: Kölner Frauengeschichtsverein (Hrsg.) Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, Münster, 1995, S.64-71, hier S. 70.
  17. Elisabeth Amling: ‚Wir wollen vor allen Dingen helfen, wo das weibliche Wesen nicht heiraten kann’. Der Kölner Frauenfortbildungsverein, in: Kölner Frauengeschichtsverein (Hrsg.) Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, S. 27-36
  18. Vgl. Amling, Wir wollen …, S. 28 f.
  19. Vgl. Amling, Schutz, S. 101, vgl. Stadtanzeiger, 26.3.1930, vgl. Amling, vor allen Dingen, S. 29-30
  20. Diese lag zunächst in der Hohestraße 55, ab 1910 wegen der zunehmenden Schülerinnenzahl in der Jakobstrasse 39
  21. Vgl. Stadtanzeiger, 31.10.1897, vgl. Elisabeth Amling: ‚Zum gegenseitigen Schutz gegen die Härten, Gefahren und Kämpfe des Lebens’. Der Cölner Verein weiblicher Angestellter, in: Kölner Frauengeschichtsverein (Hrsg.) Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, Münster, 1995, S. 97-105, hier S. 98. Wie schon bei der Kaufmännischen Fortbildungsschule stießen sich die KatholikInnen an der überkonfessionellen Ausrichtung und gründeten im gleichen Monat und Jahr eine Gegenorganisation, vgl. ebenda, S. 99
  22. Marie Sophie geb. Hochhaus, - seit 1919 mit dem Kölner Medizinprofessor Friedrich Moritz verheiratet, reflektierte später über ihr Leben. Manuskript bei S. 88.
  23. B. Krämer, Manuskript im Kölner Frauengeschichtsverein. Köln, ca. 2000.
  24. Diesem reichsweiten Frauenberufsverband hatte sich der Kölner Verein 1919 assoziiert.
  25. Aufnahmebedingung war die abgeschlossene 10-klassige höhere Töchterschule. Das heutige [Köln Lindenstraße] feierte zwischen 11. April 2000 und 14. April 2000 das hundertjährige Bestehen und gedachte der Gründerin.
  26. B. Krämer resumiert kritisch: „Qualifizierung als Lösung sozialer Probleme der Niedriglohnbeschäftigung kommt uns heute als beschäftigungspolitische Strategie bekannt vor, hatte um die Wende zum 20. Jh. jedoch noch weit mehr einen sozial selektiven Charakter: Zu einer mehrjährigen Ausbildung waren nur Familien in der Lage, die es sich materiell erlauben konnten, ihren Töchtern eine solche Ausbildung zukommen zu lassen.“ Manuskript im Kölner Frauengeschichtsverein. Köln, ca. 2000.
  27. Kopie im Kölner Frauengeschichtsverein
  28. NN. Elisabeth von Mumm. In: Stadtanzeiger, 26.3.1930
  29. Manuskript Moritz, bei S. 88.
  30. Marina Alice Mutz: "Viele Jahre nachdem daraufhin 1873/74 der Familie die königliche Genehmigung, sich Mumm von Schwarzenstein zu nennen, erteilt worden war, fand ich, wie ich immer schon vermutet hatte, dass die von Anton Fahne aufgestellte Abstammung zurechtgestutzt und irrig war." Zu Fahnes Chroniken und Urkundenbücher B. II. 1876 und die Heimat 1926 S. 98. aus: http://www.zeitspurensuche.de/02/nam1mum.htm, eingesehen 16.07.2015.

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