Elisabeth Emundts-Draeger: Unterschied zwischen den Versionen

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Ihr Werk besteht vorwiegend aus [[Lyrik|Gedichten]]; daneben verfasste sie [[Erzählungen|erzählende Prosa]]. U.a. dachte sie sich stark in die Rolle einer werdenden (oder auch unfruchtbaren) Mutter zu einem Kind hinein (Die Empfangenden). 1939 veröffentlichte sie das Buch "Die ewigen Mütter", in welchem sie die Wiederkehr eines im 1. Weltkrieg verstorbenen Meisters einer (Munitions-?)Fabrik zum Thema machte. Dieser fragt, ob es seiner Mutter gut gehe. Wieder steht die Erzählerin 1939 in einer metallverarbeitenden Fabrik und erledigt ihre 'nationale Pflicht. "'Wie geht es unseren Müttern'? ist die ewige Frage all unserer Gefallenen, und diese Frage bedeutet: 'Wie geht es Deutschland'? Denn um die Mütter unserer Geopferten wissen, heißt, ihnen Lichter der Liebe und der Andacht zünden, und heißt, ihrem Willen gehorsam sein, indem wir das gläubige, bauende und kämpferische Ja zum Leben sprechen und das schwerste Opfer ihrer Mutterherzen von Kind und Kindeskind lebendig und heilig halten, daß es im Volk wirken kann wie Sauerteig im täglichen Brot, das dem Frieden dient." (S. 16) Mit dieser Mischung aus christlichen Motiven (Sauerteig, Frieden) und nazistischen Narrativen (Mutteropfer, Überhöhung der Mutter) passte sie sich der herrschenden Ideologie an.  
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Ihr Werk besteht vorwiegend aus [[Lyrik|Gedichten]]; daneben verfasste sie [[Erzählungen|erzählende Prosa]]. U.a. dachte sie sich stark in die Rolle einer werdenden (oder auch unfruchtbaren) Mutter zu einem Kind hinein (Die Empfangenden). 1939 veröffentlichte sie das Buch "''Die ewigen Mütter''", in welchem sie die Wiederkehr eines im 1. Weltkrieg verstorbenen Meisters einer (Munitions-?)Fabrik zum Thema machte. Dieser fragt, ob es seiner Mutter gut gehe. Wieder steht die Erzählerin 1939 in einer metallverarbeitenden Fabrik und erledigt ihre 'nationale Pflicht'.  
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<blockquote>''"'Wie geht es unseren Müttern'? ist die ewige Frage all unserer Gefallenen, und diese Frage bedeutet: 'Wie geht es Deutschland'? Denn um die Mütter unserer Geopferten wissen, heißt, ihnen Lichter der Liebe und der Andacht zünden, und heißt, ihrem Willen gehorsam sein, indem wir das gläubige, bauende und kämpferische Ja zum Leben sprechen und das schwerste Opfer ihrer Mutterherzen von Kind und Kindeskind lebendig und heilig halten, daß es im Volk wirken kann wie Sauerteig im täglichen Brot, das dem Frieden dient."'' (S. 16)</blockquote>
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Mit dieser Mischung aus christlichen Motiven (Sauerteig, Frieden) und nazistischen Narrativen (Mutteropfer, Überhöhung der Mutter) passte sie sich der herrschenden Ideologie an.  
  
Emundts-Draeger verfasste Texte zu Kunstwerken von Barlach. Zudem beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Thema Alter. Ihre Texte waren zeitweilig stark konfessionell und von starker Innerlichkeit geprägt.
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In der Nachkriegszeit vermied sie wie viele andere AutorInnen eine Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur und wählte die Sprache der Innerlichkeit und Harmonie. In ihrem Gedichtband 'Nach innen geht der Weg' - ein verkürztes Novaliszitat -  von 1948 hieß es u.a. <blockquote>''"... Gemeinsam ist uns unser heiligstes Gebot,// Brücken zu schlagen und Mauern zu stürzen// und Türen aufzuwerfen:// uns zu umarmen." (Bruder, S. 7).</blockquote>'' Ein Reisender betritt ein Dorf:
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<blockquote> ''"Und alles ist so wundersam und mild// wie Glockenläuten in der Sonntagsferne,// wie weiße Vögel hoch an einem Turm,// - ist Kindern gleich, die wissenslos und still,// und Greisen, denen alles längst entfiel."'' (Landschaft)</blockquote> In einer Zeit, in der noch letzte Entnazifizierungen abgewickelt wurden und die Nürnberger Prozesse noch im Gange waren, publizierte sie ein Gedicht "Der Richter", in welchem sie die Makellosigkeit eines abstrakten Richters (aller Richter?) thematisierte <blockquote>''"... Wir fordern, daß du ohne Fehl und Sünden// und ohne Makel ein Gerechter bist.//... So will es das Volk und so will deine Sendung:// Ein Heiliger seist du in deinem Wandeln,// ein Würdiger in deinem Wort und Handeln,// ein Übermensch in deiner Selbstvollendung."'' (Der Richter) </blockquote>
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Ihre Texte waren nun meist konfessionell-ethisch aufgeladen und verbrämten reale Konflikte des Alltags. In Gedichten zu den Geschlechtern im gleichen Band (Das Weib, der Mann) formulierte sie ein stark gegendertes Bild von der Frau als Verzichtender und Opfernder, Heiliger und Gütiger, dem Mann ordnete sie die Kategorien Geist und Wahrheit, aber auch Friedenskräfte zu.
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Emundts-Draeger verfasste in späteren Jahren Texte zu Kunstwerken von Barlach. Zudem beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Thema Alter.
  
 
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Aktuelle Version vom 17. Mai 2019, 19:10 Uhr

Elisabeth Emundts-Draeger ( * 21. Juni 1898 in Köln-Deutz als Elisabeth Draeger; † 7. Mai 1987 in Bergisch Gladbach - Bensberg) war eine Schriftstellerin.


Leben

Elisabeth Emundts-Draeger lebte um 1930 in einem Haus in Köln-Bayenthal mit einer Maria Draeger zusammen. Später zog sie nach Bensberg-Refrath, zuletzt in das Altersheim St. Josefsheim. Vermutlich war die Autorin mit einem Herrn Emundts verheiratet. Sie hatte eine Tochter, diese war mit dem Kölner Lyriker Heinrich Roggendorf verheiratet.

Die Autorin liegt auf dem Flittarder Friedhof im Grab der Familie Roggendorf begraben.[1],


Beruf

Ihr Werk besteht vorwiegend aus Gedichten; daneben verfasste sie erzählende Prosa. U.a. dachte sie sich stark in die Rolle einer werdenden (oder auch unfruchtbaren) Mutter zu einem Kind hinein (Die Empfangenden). 1939 veröffentlichte sie das Buch "Die ewigen Mütter", in welchem sie die Wiederkehr eines im 1. Weltkrieg verstorbenen Meisters einer (Munitions-?)Fabrik zum Thema machte. Dieser fragt, ob es seiner Mutter gut gehe. Wieder steht die Erzählerin 1939 in einer metallverarbeitenden Fabrik und erledigt ihre 'nationale Pflicht'.

"'Wie geht es unseren Müttern'? ist die ewige Frage all unserer Gefallenen, und diese Frage bedeutet: 'Wie geht es Deutschland'? Denn um die Mütter unserer Geopferten wissen, heißt, ihnen Lichter der Liebe und der Andacht zünden, und heißt, ihrem Willen gehorsam sein, indem wir das gläubige, bauende und kämpferische Ja zum Leben sprechen und das schwerste Opfer ihrer Mutterherzen von Kind und Kindeskind lebendig und heilig halten, daß es im Volk wirken kann wie Sauerteig im täglichen Brot, das dem Frieden dient." (S. 16)

Mit dieser Mischung aus christlichen Motiven (Sauerteig, Frieden) und nazistischen Narrativen (Mutteropfer, Überhöhung der Mutter) passte sie sich der herrschenden Ideologie an.

In der Nachkriegszeit vermied sie wie viele andere AutorInnen eine Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur und wählte die Sprache der Innerlichkeit und Harmonie. In ihrem Gedichtband 'Nach innen geht der Weg' - ein verkürztes Novaliszitat - von 1948 hieß es u.a.
"... Gemeinsam ist uns unser heiligstes Gebot,// Brücken zu schlagen und Mauern zu stürzen// und Türen aufzuwerfen:// uns zu umarmen." (Bruder, S. 7).
Ein Reisender betritt ein Dorf:
"Und alles ist so wundersam und mild// wie Glockenläuten in der Sonntagsferne,// wie weiße Vögel hoch an einem Turm,// - ist Kindern gleich, die wissenslos und still,// und Greisen, denen alles längst entfiel." (Landschaft)
In einer Zeit, in der noch letzte Entnazifizierungen abgewickelt wurden und die Nürnberger Prozesse noch im Gange waren, publizierte sie ein Gedicht "Der Richter", in welchem sie die Makellosigkeit eines abstrakten Richters (aller Richter?) thematisierte
"... Wir fordern, daß du ohne Fehl und Sünden// und ohne Makel ein Gerechter bist.//... So will es das Volk und so will deine Sendung:// Ein Heiliger seist du in deinem Wandeln,// ein Würdiger in deinem Wort und Handeln,// ein Übermensch in deiner Selbstvollendung." (Der Richter)

Ihre Texte waren nun meist konfessionell-ethisch aufgeladen und verbrämten reale Konflikte des Alltags. In Gedichten zu den Geschlechtern im gleichen Band (Das Weib, der Mann) formulierte sie ein stark gegendertes Bild von der Frau als Verzichtender und Opfernder, Heiliger und Gütiger, dem Mann ordnete sie die Kategorien Geist und Wahrheit, aber auch Friedenskräfte zu.

Emundts-Draeger verfasste in späteren Jahren Texte zu Kunstwerken von Barlach. Zudem beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Thema Alter.

Engagement

Elisabeth Emundts-Draeger war seit den 1950er Jahren Mitglied der GEDOK KÖLN. Dort wurde sie als Autorin sehr verehrt und gab viele Lesungen.

Literatur von Elisabeth Emundts-Draeger

  • Von Mensch zu Mensch, Darmstadt 1936
  • Die ewigen Mütter. Erbgut deutsches Schrifttums Nr 225, Saarlautern 1939 (und 1955 bei Verlag der hessischen Lesebuch-Stiftung)
  • In uns das Gesetz, Aloys-Henn-Verlag, Ratingen 1939
  • Die ewigen Gipfel, Aloys-Henn-Verlag, Ratingen 1942
  • Nach innen geht der Weg, Hoffmann & Campe, Hamburg 1948
  • Im Rosenkranz, Ratingen bei Düsseldorf 1955
  • Blumengedichte. Der Karlsruher Bote, Karlsruhe, 1968
  • Unendliches Herz. Gedichte für Ernst Barlach, E. W. Müssener Verlag, Köln 1970
  • Wo Mensch? Wo Gott?. Lahn-Verlag, Limburg 1975
  • Die Empfangenden. Ein Zyklus. Selbstverlag 1977
  • Am Abend eine Harfe, Köln 1978
  • Rose und Adler. Späte Gedichte 1979-1981, Wulff, Dortmund 1982
  • Sing dein Weh, Köln 1985
  • (zusammen mit Roland Schmitz; Dieter Christian Ochs) Begegnungen. Gedichte ums Altsein. Eigenverlag, herausgegeben vom Landkreis Saarlouis im Rahmen der Senioren-Kulturarbeit [Saarlouis] o. J.


Gedichte aus dem Eifeljahrbuch/Eifelkalender: Dem unbekannten Soldaten, (Jg. 1943), S. 22; Heidekraut, (Jg. 1943), S. 143; Heilige Nacht, (Jg. 1944), S. 142; Der Pflüger, (Jg. 1951), S. 101; Heidekraut, (Jg. 1953), S. 84; Landschaft, (Jg. 1954), S. 43; Margareten, (Jg. 1954), S. 92; Bäume im Winter, (Jg. 1955), S. 136; Sonnenblume, (Jg. 1958), S. 82


Texte aus dem (Rheinisch-)Bergischer Kalender: Altenklause, Volume 68, p.149, (1998) - Alter Klostergarten, Volume 55, p.64, (1985)- Am Ölberg, Volume 51, p.16, (1981) - Ave Maria, Weihrauch, Volume 25, p.36, (1955) - Blühende Linden, , Volume 20, p.9, (1950) - Das Ebenbild, Erinnerungen eines Mannes an die Geliebte, Volume 21, p.139, (1951) - Das Neugeborene, Volume 53, p.107, (1983) - Der Springbrunnen. Die Nachtigall. Sternschnuppen. Gedichte, Volume 50, p.41, (1980) - Die Erwartende, Volume 51, p.128, (1981) - Die Nachtigall, Volume 26, p.56, (1956) - Dornen, Volume 52, p.136, (1982) - Dunkler Sturz, Volume 54, p.72, (1984) - Frau Holle, Christrosen, Volume 20, p.15, (1950) - Frierende Alte, Volume 68, p.149, (1998) Genug, Volume 58, p.64, (1988) - Herbstzeitlose, Volume 21, p.14, (1951) - Hottepferd, Tod eines Kindes, Volume 20, p.128, (1950) - Künstlertum, Emundts-Draeger, Volume 54, p.149, (1984) - Myrten und Zypressen, Beerdigung eines Armen, Volume 23, p.59, (1953) - Rose im Wind, Volume 52, p.136, (1982) - Rosen, Volume 68, p.150, (1998) - Rückblick, Volume 54, p.229, (1984) - Schneeglöckchen, Volume 21, p.32, (1951) - Seelenlandschaft, Volume 56, p.98, (1986) - Sterbende Sonnenblume. Blühende Kastanie, Volume 22, p.11, (1952) - Sterbende Sonnenblume. Blühende Kastanie, Volume 22, p.18, (1952) - Vorfrühling, Volume 21, p.6, (1951) - Vorfrühling, Volume 50, p.18, (1980) - Zwischen Erde und Himmel, Volume 57, p.17, (1987)


Archivalien

Es befinden sich Texte im Handschriftenarchiv rheinischer Dichter http://www.duesseldorf.de/heineinstitut/archiv/gesamtbestand/rheinisches_dichterarchiv.shtml


Literatur über Elisabeth Emundts-Draeger

  • Autorenlexikon, S. 86
  • Kürschners deutscher Literatur-Kalender. Nekrolog 1971-1998, München u. a., Saur, 1999



Weblinks


Einzelnachweise

  1. Kunstvoller Stein - Grabstätte Roggendorf http://www.stadt-koeln.de/6/gruen/friedhoefe/00707/

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