Edith von Schröder

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Ottilie Marie Edith von Schröder, geb. von Schnitzler (* 1892 in Köln, † 1951), war eine Kölner Besitzbürgerin, Kunstfreundin der GEDOK Köln und Ehefrau von Baron Kurt Freiherr von Schröder, eines wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten Bankiers.

Familie

Edith von Schnitzler war eine Tochter der Tilla (Ottilia Henriette Josephine ) Mumm von Schwarzenstein (1867 - 1939)und des Geheimrats Richard von Schnitzler (1855 - 1938 ), eines Bankiers (Bankhaus Stein) und bekannten Kunstsammlers. Ihr Vater wurde 1913/1914 in den erblichen preußischen Adel erhoben.

Ihre Cousine war Ada Deichmann, ihre Tante Lilly von Schnitzler. geb. v. Mallinckrodt (1889–1981), eine nationalkonservative Kunstsammlerin, die KünstlerInnen unterstützte, die durch das NS-Regime Berufs- bzw. Malverbot erhalten hatten. Ihr Onkel war Georg von Schnitzler Vorstandsmitglied der I.G. Farben, der 1948 wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde. Zudem war sie eine Cousine des DDR-TV-Chefkommentators Karl-Eduard von Schnitzler. Auch war sie weitläufig (über eine Urenkelin von Robert von Schnitzler, Inez (1908–91) mit dem Bankier Hermann Josef Abs verwandt. Weitere Verwandtschaftslinien verliefen zu den Familien Camphausen, Deichmann, Michels, vom Rath, Stein, Herstatt, Jung und Andreae [1]

Im April 1913 heiratete Edith von Schnitzler den drei Jahre älteren Hamburger Berufsoffizier Kurt Freiherr von Schröder, der sein Jurastudium abgebrochen hatte.[2] Das Paar bekam drei Töchter und einen Sohn. Weitere Familienbande entstanden, als Ediths Schwester (Fanny Mathilde) Erika von Schnitzler 1921 einen jüngeren Bruder des Ehemannes ehelichte, den Freiherrn Johann Heinrich Carl Herbert von Schroeder. [3] Diese Verbindung erbrachte den Kontakt zu zahlreichen Unternehmerfamilien des Rheinlandes, und von Schröder wurde auf eine Bankkarriere vorbereitet.[4]

Der Freiherr, der sich gern als 'Rittmeister der Reserve' (Offiziersrang) vorstellte, wirkte bald in der Firma ihrer väterlichen Verwandten mit. Sie erbte - und der Ehemann wurde 1921 Teilhaber des Kölner Bankhauses J. H. Stein, das 1919 unter seinem Einfluß die Rheinischen Separatisten unterstützt haben soll. Laut dem amerikanischen Historiker Henry Ashby Turner war er nun „Teilhaber einer mittelgroßen Provinzbank“.[5]

In den späten Jahren der Weimarer Republik wandte sich Kurt Freiherr von Schröder verstärkt rechtskonservativen und antisemitisch-militaristischen Kräften zu (und der Partei DVP). Er war Mitglied des Deutschen Herrenklubs, dem überwiegend Rittergutbesitzer, Militärs und Industrielle angehörten. Schröder unterstützte im November 1932 eine Eingabe an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, in der die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler gefordert wurde. Am 4. Januar 1933, kam es zu einer Geheimbesprechung in der gemeinsamen Villa (in Köln-Lindenthal, Stadtwaldgürtel 35), in der Franz von Papen mit Adolf Hitler in Anwesenheit von Heinrich Himmler und Rudolf Hess Vorbereitungen für eine Regierungsübernahme trafen. Von Schröder spendete Millionenbeträge an die NSDAP.

Der Historiker Karl Dietrich Bracher bezeichnete das Treffen als die „Geburtsstunde des Dritten Reiches“. [6] Dazu Ulrich Soenius: Diese Metapher negiert zwar die Vorgeschichte, die politische Situation im Januar 1933 und vor allem das nachfolgende Gespräch zwei Wochen später in Berlin. Erst dort kam es zu einer Einigung, aber die aufgeflogene Geheimhaltung in Köln tat das Übrige zur Schaffung eines Mythos.[7] Er bezeichnet es eher als "beginnende[] Annäherung von konservativer Elite und NS-Führung".[8] Ob Edith von Schröder das Treffen hausfraulich vorbereitet hat, ist nicht überliefert. Kurt Freiherr von Schröder, ein glühender Anhänger Hitlers, soll auf seinem Gut ZwangsarbeiterInnen beschäftigt haben, auch soll er die Versteigerung von beschlagnahmten Haushaltsgegenständen von Juden aus den besetzten Niederlanden anordnet haben. Eine Mittäterinschaft der Kölnerin ist anzunehmen.[9]

Nach dem Krieg versteckte sich von Schröder in einem Gefangenenlager in Frankreich. Er wurde entdeckt und zur Rechenschaft gezogen. "Zwar wurde zunächst von den Amerikanern eine Anklage vorbereitet, aber von Schröder verstand es geschickt, anderen die Verantwortung für den Freundeskreis Himmler anzuheften". [10] Die Briten verurteilten ihn am 12. November 1947 vor einem Bielefelder Spruchgericht zu drei Monaten Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein deutsches Verfahren verlief nach mehreren Instanzen glimpflich, eine Wiederaufnahme seiner Bankierstätigkeit schloss sich aber aus.[11] Baron Schröder zog auf sein Gut Hohenstein bei Eckernförde in Schleswig-Holstein.


Kunstförderin

  • Frau Baronin Edith von Schröder war 1929 an der Gründung der GEDOK Köln beteiligt. Als Interessentin war sie am 3.11.1929 an einem Vortreffen vermögender Frauen bei dem Ehepaar Hermann und Elisabeth Abendroth anwesend, wo die Jüdin Ida Dehmel auf Ottilie von Schnitzler, auf Ludovica von Schnitzler (Ehefrau des Justizrates Victor von Schnitzler), Edith von Schröder, die Baronin Flossy von Oppenheim und auch die Ehefrau des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer, Gussi Adenauer oder die Ehefrau des Warenhausbesitzers Leonhard Tietz, Margarete Tietz, traf. Edith von Schröder wurde am nächsten Tag in den Beirat der Kunstförderinnen gewählt. Bereits 1933 ist sie nicht mehr verzeichnet.
  • Seit 1928 war Edith von Schröder im Ausschuss des Kölnischen Kunstvereins, 1932 Beisitzerin und von 1931 bis 1945 in dessen Vorstand engagiert. Der KKV war seit Juli 1933 im Wesentlichen gleichgeschaltet. Vier politische Vertreter der NSDAP saßen im Vorstand. - Während des zweiten Weltkrieges, genauer 1943, vertrat sie beim Kölnischen Kunstverein den Kölner Kunstmäzen Hans Carl Scheibler als kommissarische Vorsitzende.[12] Damit wurde sie eine Nachfolgerin ihres Vaters, der bis 1931 den Kunstverein geleitet hatte und der nun Ehrenvorsitzender war.[13] Im Mai 1944 wurde sie zur 1. Vorsitzenden gewählt, anscheinend hatte sich kein bedeutender Mann zur Wahl gestellt.[14] Nach 1945 verbot die englische Besatzung den Kölnischen Kunstverein mit dem Argument, er sei mit der 'Nazibank' J. H. Stein 'liiert'.[15] * Peter Gerlach bezeichnet sie als Sammlerin moderner Kunst: Sie hatte als Sammlerin moderner Kunst 1932 eine Veranstaltung zugunsten der Kölner Künstler im Opernhaus initiiert (HAStK. 1386, Nr.2, Bl. 1); stellte dann 1934 u.a. eine Hitler-Büste von Rudolf Gosekuhl aus ihrer Sammlung im Kunstverein aus. [16]
  • 1931 gründete sie die Kölner Künstlernothilfe. [17]
  • Es wird eine Edith von Schröder Collection erwähnt [18]

Literatur

  • Kunstsammlungen dreier Generationen einer Kölner Familie. Mit einem Vorwort von Otto H. Förster. Ausstellungs Katalog, Kölnischer Kunstverein, Köln 1934, S. 4 ff.
  • Peter Gerlach: http://peter-gerlach.eu/publications/pubfiles/tf.php?cont=1994_0/ico/m.html
  • Ulrich S. Soenius: Bankier und 'Geburtshelfer' - Kurt Freiherr von Schröder. in: Soenius (Hrsg.) Bewegen... Festschrift für Klara van Eyll, S. 335- 350.


Einzelnachweise

  1. vgl. Soenius, S. 336
  2. Ulrich Soenius vermutet, er habe diesen Studiengang gewählt, um in die Verbindung Corps Borussia aufgenommen zu werden. in: Bankier und Geburtshelfer, S. 336
  3. http://gw4.geneanet.org/cvpolier?lang=de;p=johann+heinrich+carl+herbert;n=von+schroeder. Auch der älteste Bruder wählte eine Kölnerin, eine geborene Andreae aus Mülheim.
  4. http://www.ksta.de/politik/historisches-datum-adolf-hitlers-koelner-treffen,15187246,13125764.html
  5. Henry Ashby Turner: Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers, Siedler Verlag Berlin 1985, S. 377 ff.
  6. http://www.ksta.de/politik/historisches-datum-adolf-hitlers-koelner-treffen,15187246,13125764.html
  7. http://www.ksta.de/politik/historisches-datum-adolf-hitlers-koelner-treffen,15187246,13125764.html
  8. ebenda; Gussi Adenauer, die ebenfalls in der GEDOK Kunstfreundin gewesen war und die sich für ihren verfolgten Mann Konrad Adenauer an die Schröders wandte, verweigerte er den Kontakt.
  9. ebenda
  10. http://www.ksta.de/politik/historisches-datum-adolf-hitlers-koelner-treffen,15187246,13125764.html
  11. http://www.ksta.de/politik/historisches-datum-adolf-hitlers-koelner-treffen,15187246,13125764.html
  12. Ggf. tat sie dies auch beim Verein der Freunde des Wallraf-Richartz-Museums
  13. vgl. http://peter-gerlach.eu/publications/pubfiles/tf.php?cont=1994_0/ico/m.html
  14. Ute Haug: Der Kölnische Kunstverein im Nationalsozialismus. Struktur und Entwicklung einer Kunstinstitution in der kulturpolitischen Landschaft des Dritten Reiches. Dissertation, Aachen, 1998 pdf
  15. vgl. http://sylvester.bth.rwth-aachen.de/dissertationen/2002/072/02_072.pdf, S.635
  16. Ausstellungskatalog, Kölnischer Kunstverein, Köln 1934, S. 29, Nr. 718. Gerlach, Anm 6 , Anm.44: Das Hitler-Bildnis, das Vorstandsmitglied Baronin von Schröder 1934 auf einer Kunstvereinsausstellung (Nr. 718) zeigte, läßt die national-konservative bis NS-konforme Vorstellung von "Kunst" deutlich werden, die im Vorstand dieses Vereins seit 1933 dominierte. Die Anstreichung und Bemerkung "Herzl. Grüße WKlug" im Ausst. Kat. KKV 1934 (Exempl.: YG Köln 50 1934 Archiv, Museumsbibl. Köln) läßt vermuten, daß Frau von Schröder diese Arbeit von Gosekuhl durch die Vermittlung des Direktor des KKV erworben hatte. Bezeichnend sind die Texte von Otto H. Förster, dem jungen, neuen Direktor des Wallraf-Richartz-Museums, z. B. Ausst.Kat. KKV 1934 (...), S. 3 ff.
  17. http://sylvester.bth.rwth-aachen.de/dissertationen/2002/072/02_072.pdf, S. 29 und KStA vom 23 7 1931 (Gegen die Not der Künstler wird die Kölner Künstlerhilfe gegründet.)
  18. http://www.wga.hu/frames-e.html?/bio/l/lochner/biograph.html Bezug ist ein Lochner Bild, das sie ggf. gestiftet hat.

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