Alice Haubrich-Gottschalk

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Alice Haubrich-Gottschalk (geb. Grabowski) (* 11. Januar 1892 in Konitz/Westpreußen - heute Choinice; † 10. Febuar 1944 in Köln) war eine Kölner Gynäkologin und Kinderärztin und Verfolgte des Naziregimes.

Jugend und Bildung

Die Tochter des Rabbiners Dr. Viktor Grabowski (Sohn des Loebel Grabowski und der Marianne Szafir) und der Johanna Bertha Haurwitz (Tochter von Isidor Haurwitz and Linna Kober Haurwitz [1]), besuchte eine höhere Mädchenschule in Konitz, danach zog die Familie – ggf. aufgrund einer zunehmend antisemitischen Stimmung in Posen - ins Bergische Land. [2] Sie absolvierte ab 1899 die höhere Mädchenschule in Mittel-Barmen bis einschließlich der III. Klasse. Nach Kursen am Realgymnasium in Elberfeld machte sie 1910 in Remscheid Abitur.

Alice Grabowski studierte in Bonn, Freiburg, abermals Bonn und München Medizin. Ihre Promotion legte sie 1916 in Bonn bei Carl Garrè ab. Im gleichen Jahr erwarb sie ihre Approbation.

Beruf und Familie

In erster Ehe war sie mit einem Herrn Gottschalk verheiratet, die Tochter Anneliese/Annelie wurde 1920 geboren. Ab Mitte der 1920er Jahre praktizierte sie in Köln unter dem Namen Alice Gottschalk (zunächst Hohenzollern-Ring 22, später Hohenstaufenring 61). In zweiter Ehe war sie ab 1929 mit dem bekannten – katholisch getauften - Rechtsanwalt Josef Haubrich verheiratet; es war die dritte Ehe des drei Jahre älteren Kölners, der der SPD nahestand. Vermutlich hatte er sich für sie scheiden lassen. Er war Vater von zwei Kindern aus seiner ersten Ehe mit Johanna Kux, die Tochter Wiesel und den Sohn Karl-Klaus. Das kunstbegeisterte Paar - der Ehemann war Kunstsammler und stellvertretender Vorsitzender des Kölnischen Kunstvereins - verkehrte mit vielen KünstlerInnen. In einer Ausstellung gezeichnet oder geknipst wurden zwei kontrastierende Portraits von Alice Haubrich-Gottschalk gezeigt.

Verfolgung und Tod

1937/38 musste die Ärztin auf Grund der ‚Rassen’gesetze ihre Praxis aufgeben. Wegen seiner Ehe mit einer Jüdin war auch Josef Haubrich mit antisemitischen Diskriminierungen durch die NationalsozialistInnen konfrontiert, musste 1939 die Praxisgemeinschaft mit seinem langjährigen Kanzlei-Partner Heinrich Bodenheim auflösen. 1944 nahm sich Alice Haburch-Gottschalk mit Zyankali das Leben.[3] Auslöser war ein drohendes Verhör durch die Gestapo. [4] Ihr Mann heiratete noch im gleichen Jahr die verwitwete Paula Anna Berta Wegelin geb. Siebs, die zwei erwachsene Söhne hatte. Alice Haubrich-Gottschalk liegt (nach Umbettung des Gemeinschaftsgrabes mit dem Ehemann vom Westfriedhof) auf dem Melatenfriedhof begraben - zusammen mit ihrem zweiten Mann und dessen fünfter und letzter Gattin Lucy Haubrich-Millowitsch.[5]

Gedenken

Ein Stolperstein erinnert an Alice Haubrich-Gottschalk und ihre Tochter Anneliese in der Eugen-Langen-Straße 29, Köln Marienburg.


Literatur von Alice Grabowski

  • Alice Grabowski : Erfahrungen mit der Nagelextension Diss. 1916 Univ. Bonn, gedr. 1915 Leipzig : Vogel
  • Angaben im Reichsmedizinalkalender 1926/27, 1929, 1931, 1933, 1935 und - letztmalig für JüdInnen möglich - 1937


Literatur über Alice Gottschalk-Haubrich bzw. Josef Haubrich

  • Udo Rudloff und Hans Ludwig: Jewish gynecologists in Germany in the first half of the twentieth century in: Arch Gynecol Obstet (2005) 272: 245–260
  • Kölner Persönlichkeiten. Gezeichnet oder geknipst 2. AUSSTELLUNG vom 18. Mai bis 16. Juni 1930 im Kunstgewerbemuseum ; Kölnischer Kunstgewerbeverein 1930 Köln (einsehbar in Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln)
  • Eduard Seidler Jüdische Kinderärzte : 1933 - 1945 ; entrechtet - geflohen - ermordet . Basel [u.a.] : Karger 2007 ISBN 978-3-8055-8284-1
  • Peter Fuchs: Josef Haubrich. Sammler und Stifter moderner Kunst. Nachrichtenamt der Stadt Köln, 1979 (teilweise wortgleich mit Fuchs-Ausgabe von 1959)
  • Horst Keller: Haubrich, Josef. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 73 f. online: http://bsbndb.bsb.lrz-muenchen.de/sfz28193. bzw. html http://www.deutsche-biographie.de/pnd118709089.html
  • Radiosendung "Zeitzeichen" WDR (Wiederholung Radio Brandenburg 4.9.1996)

weblinks


Einzelnachweise

  1. Zur Genealogie wurde die Seite http://martinfischer.webs.com/Discoveries_in_genealogy_research.htm benutzt, abgerufen am 24.01.2013 11:32
  2. Der Verfasser, Amateurgenealoge Martin Fischer, erwähnt „Heppner & Herzberg's history of the Jewish communities of Posen“, S. 523: Aaron Heppner u. I[saak] Herzberg: „Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen - nach gedruckten und ungedruckten Quellen. Koschmin, Bromberg, [Bd 2:] Breslau: Selbstverl. 1909. Der Vater wurde danach 1863 ggf. in Kempen/ Posen geboren, studierte in Berlin, erwarb an der Leipziger Universität 1889 seinen Doktortitel mit einer Arbeit über den Dichter Josef von Mar Narses /Narsai, wurde 1889 Rabbi in Konitz, heiratete im gleichen Jahr in Breslau und blieb dort bis 1899. Die Familie zog nach in [Wuppertal-Barmen]
  3. Die Zyankali-Kapsel trug sie seit Jahren mit sich.“ http://web.fu-berlin.de/aeik/HTML/rec00391c3.html; vgl. auch den Aufsatz Christian Goeschel: „Suicides of German Jews in the Third Reich, in: German History, 1 2007; vol. 25: pp. 22 - 45.
  4. Horst Keller: Haubrich, Josef. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 73/74
  5. Laut einer Auskunft von Dr. B. Kilp erfolgte die Umbettung auf Wunsch der letzten Ehefrau Lucy Haubrich. Auskunft vom 31.12.2014

FrauenGeschichtsWiki ist ein Projekt des Kölner Frauengeschichtsverein e.V. Viele Informationen stammen aus unserem Vereinsarchiv. Wir danken Dr. B. Kilp für Auskünfte zu Alice Haubrich-Gottschalk und freuen uns über weitere Hinweise an kfvg@netcologne.de .