Ada Deichmann

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Ada Deichmann , geb. Ada von Schnitzler, war eine Kölner Besitzbürgerin und Kunstmäzenin

Familie

Ihr Vater war Paul von Schnitzler (*1856), die Mutter Fanny Joest (* 1883). Ihr Bruder war Dr. Georg (August Eduard) von Schnitzler, ein verurteilter Kriegsverbrecher. Der Kunstsammler Richard von Schnitzler war ihr Onkel, Tilla Mumm von Schwarzenstein ihre Tante. Eine Großmutter stammte aus der Kölner Familie vom Rath. Ihre Cousine Ottilie Marie Edith von Schnitzler, eine Tochter Richard von Schnitzlers, (* 1892-1951) war mit dem Bankier Kurt Freiherr von Schröder verheiratet, der am 4. Januar 1933 eine Geheimbesprechung in seiner Villa (in Köln-Lindenthal, Stadtwaldgürtel 35) organisierte, in der Franz von Papen mit Adolf Hitler in Anwesenheit von Heinrich Himmler und Rudolf Hess Vorbereitungen für eine Regierungsübernahme vereinbarten und der Millionenbeträge an die NSDAP spendete).


Leben in Köln

Die protestantische Bankierstochter heiratete den Privatbankier Carl Theodor Deichmann (1866-1931), einen der wohlhabendsten Männer der Stadt: Er war als Erbe des Schaafhausenschen Bankvereins bzw. der Bank Deichmann & Co. Anteilseigner an der Deutschen Bank, da die familieneigene Bank 1870 zu einer der Gründungsbanken der heutigen Deutschen Bank AG geworden war. Deichmann war laut der Wahrnehmung des Sohnes Hans "ein erzkonservativer Monarchist. Bestimmend und prägend für die Kindheit war allerdings die Mutter: Sie war zutiefst antimonarchistisch eingestellt". [1] Sie kommunizierte in der Antoniterkirche mit dem liberalen evangelischen Pfarrer Carl Jatho, unterhielt später aber auch Kontakte mit dem Stadtdechanten Dr. Robert Grosche, einem Anhänger der Una sancta Bewegung.[2] Aufgrund der großen Unterschiede im Wertesyste war die Eje nicht glücklich, Ada Deichmann ging immer häufiger eigene Wege. [3]

Von 1909 bis 1918 war sie ehrenamtliche Armenpflegerin der Stadt Köln. [4]


Sie gebar drei Kinder, Carl Deichmann (*1905, er lebte später in Bern), Hans Deichmann (*Sept. 1907, Jurist) und Freya Maria Helene Ada Deichmann (* März 1911, Juristin), verh. Freya von Moltke. 1931 starb ihr Mann, im gleichen Jahr wurde die Bank ein Opfer der Weltwirtschaftskrise. 1932 wurde ein Teil des Nachlasses versteigert (vgl. Band 336 von Math. Lempertz'sche Kunstversteigerung, Kunsthaus Lempertz (Köln) 1932, Versteigerung z.T. am 11. Dezember 1933).


Die Kinder Hans und Freya hatten eine sehr enge Bindung. Beide promovierten in Jura, beide hatten Kontakt mit Eugenie Schwarzwald, einer Pionierin der Reform-Mädchenbildung in Österreich, genannt "Frau Doktor", beide waren später im Widerstand gegenüber dem NS-Regime. Schwiegersohn Helmuth James von Moltke wurde wegen Beteiligung am Widerstand 1945 hingerichtet (Kreisauer Kreis). Ada Deichmann hatte dem Schwiegersohn (dessen Eltern waren Anhänger der pazifistischen Religionsgemeinschaft "Christian Science") noch eine Messe in St. Gereon lesen lassen.


Kunstfreundin

Bereits im Januar 1918 hatte Ada Deichmann brieflichen Kontakt zu der späteren GEDOK-Gründerin Ida Dehmel. [5] 1929 war sie an der Gründung der GEDOK KÖLN beteiligt, wurde Kunstfreundin und war im Beirat der Kunstfreundinnen.

Positionen

Ihre Einstellung zum Nationalsozialismus wird nicht positiv gewesen sein, auch wenn ihre Familie väterlicherseits sich stark in das verbrecherische Regime einbrachte. Gerade ein Gespräch über KZs, das ihr Sohn Hans Deichmann bei Georg von Schnitzler mitbekam, führte zur verstärkten ablehnenden Haltung der drei Kinder.


Wohnsitze

Sie lebte oder weilte vorübergehend an verschiedenen Wohnorten:

  • Da das Ehepaar Ada und Hans Deichmann das ererbte Haus in der Trankgasse in ein Geschäftshaus umwandelte (Deichmannhaus), zog die Familie in ein neues Domizil in der Südstadt (Georgsplatz).
  • in den 1920er Jahren in Bad Godesberg. Dort lebte die Familie in ihrem Sommerhaus, der Sohn Hans besuchte dort die Schule. Hier weilte sie auch im Juli 1945. Sie hatte das Haus inzwischen geerbt.
  • im Jahr 1931, nach dem Tod ihres Mannes lebte sie für einige Zeit in Paris [6]
  • im Mai 1949 weilte sie in Südafrika (Wynberg/Kapprovinz) bei ihrer Tochter Freya von Moltke und den zwei Enkelsöhnen (die Kleinfamilie lebte von 1947 bis 1956 in der Heimat der Schwiegermutter bzw. Oma Lady Dorothy Rose Innes, einer Südafrikanerin britischer Abstammung). In Südafrika korrespondierte sie u.a. mit dem Bundeskanzler Adenauer [7]
  • im August 1949 in GB Englefieldgreen, Surrey
  • Ada Deichmann besuchte ihre Tochter des öfteren in dem neuen Wohnort in den USA und ihren Sohn Carl, der ebenfalls in den USA lebte.


Literatur

  • Hans Deichmann: Gegenstände. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1996, ISBN 3-423-30592-4 (Titel der italienische Ausgabe: Oggetti, Titel der englischsprachigen Ausgabe: Objects), er erhielt für das Buch 1996 Geschwister-Scholl-Preis (das Buch enthält nette Anekdoten über das Zuhause)
  • Ingo Herrmann (Hrsg.): Die Kreisauerin. Freya von Moltke. Gespräch mit Eva Hoffmann in der Reihe „Zeugen des Jahrhunderts“. Lamuv, Göttingen 1992, ISBN 3-88977-303-6
  • Frauke Geyken: Freya von Moltke. Ein Jahrhundertleben 1911–2010. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61383-8.
  • Ricarda Octavia Huch: In einem Gedenkbuch zu sammeln. Leipziger Universitätsverlag, ca 1948 , darin Bericht von Freya von Moltke, S. 202-206



Einzelnachweise

  1. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/das-ungewoehnliche-leben-des-hans-deichmann--ein-ziemlich-freier-mensch-,10810590,9207012.html
  2. vgl. Christian Illian, Traugott Jähnichen, Sigrid Reihs: Anstöße. Impulse Günter Brakelmanns für die Arbeit in Theologie, Kirche und Gesellschaft. Mit einem Geleitwort von Präses Schneider, Ratsvorsitzender der EKD. Festschrift Günter Brakelmann zum 80. Geburtstag, 2011, Lit Verlag =Reihe: Entwürfe zur christlichen Gesellschaftswissenschaft 24, ISBN 978-3-643-11358-0, S. 229
  3. Geyken, S. 23
  4. http://www.konrad-adenauer.de/index.php?key=&menu_sel=unterseite&menu_sel2=&menu_sel3=&menu_sel4=&msg=10367&hl=deichmann
  5. http://allegro.sub.uni-hamburg.de/hans-cgi/hans.pl?x=u&t_show=x&wertreg=PER&wert=deichmann%2C+ada+%5B-1918-%5D&reccheck=13096
  6. Geyken, S. 23
  7. http://www.adenauerhaus.de/downloads/Inhaltsverzeichnisse/Briefe4547.pdf

Einzelnachweise


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